Zeitung Heute : Melken für den König

Drei Pfund Sahnetorte: "The Land Girls"Manche Filme sind so schön, daß man nach zirka fünf Minuten jegliches Interesse verliert.Hochglanzschön die Bilder, Richard-Clayderman-schön die Musik (die kaum je schweigt), und recht herzlich gelacht werden darf auch hin und wieder.Man riecht förmlich die gute Landluft, der Plot plottet so vor sich hin, es passiert dieses, es passiert jenes, und hinterher fühlt man sich, als habe man drei Pfund Sahnetorte mit rosa Zuckerguß gefressen. "The Land Girls" von David Leland ist ein solcher Film.Er handelt von drei Mädchen, die während des Krieges für König und England auf einem Bauernhof Kühe molken, Äcker pflügten und sich mit rotwangigen jungen Burschen im Heu wälzten.Aus den drei jungen Schauspielerinnen hätte man durchaus etwas machen können: Die quirlige Anna Friel, die eher herbe Catherine McCormack sowie Rachel Weisz, die sich in einer vollständig anderen Rolle als in Michael Winterbottoms "I Want You" (Wettbewerb) als ausgesprochen wandelbar erweist, sind an sich ein gutes Team.Doch gegen die Ästhetik einer Margarinewerbung ist schwer anzuspielen, vor allem, wenn das Drehbuch nichts als Biederkeit hergibt. Wie kommt ein solcher Film überhaupt ins Kino, von den Filmfestspielen ganz zu schweigen? Der einzige Ort, wo er hinpassen würde, wäre das Sonntagnachmittagsprogramm im Fernsehen.Allerdings ist nicht gewährleistet, daß man die Werbespots in jedem Fall vom Film unterscheiden könnte. S.N.

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