MELODRAM „The Help“ : Rache ist süß

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Foto: Dreamworks
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Schön hysterisch ist dieser Film, und wenn es nicht um ein so ernstes Thema ginge, den Rassismus im Amerika der sechziger Jahre, könnte man ihn als „Desperate Housewives“-Version für Sixties-Fans empfehlen. Die Dauerwellen, die Petticoats, die schrillen Brillen! Ob beim Bridge oder beim Charity-Treff, die Damen der Südstaaten-Kleinstadt Jackson klatschen und keifen nach Kräften, besonders gern echauffiert man sich über das Dienstpersonal. Das ist schwarz, weiblich, serviert lächelnd Schokoladenkuchen oder gefüllte Eier, kümmert sich um die verzogenen Gören der Herrschaft und hört auch dann nicht auf zu lächeln, als man einander separate Toiletten fürs farbige Personal anrät. Nicht auszudenken, wenn wir auch noch deren Krankheiten kriegen!

„The Help“, die Verfilmung von Kathryn Stocketts Bestseller, wurde ein Überraschungshit in den USA, spielte allein am Startwochenende 26 Millionen Dollar ein. Wegen des Gratismuts, den man braucht, um in der Ära Obama die historische Rassentrennung anzuprangern? Ein Feel-Good-Movie ist „The Help“ allemal: Die temperamentvolle, als einzige noch unverheiratete Skeeter (Emma Stone) kehrt vom College nach Hause zurück, heuert beim Lokalblatt für die Hausfrauenkolumne an und fragt das Dienstpersonal nach Tipps fürs Kochen, Putzen, Waschen. Dabei bemerkt sie, wie mies all die schwarzen Nannies und Haushaltshilfen behandelt werden, will ein Buch darüber schreiben und überredet die Frauen, ihre Geschichten zu erzählen: erschütternde Chroniken fortgesetzter Leibeigenschaften. Das Buch macht Skandal – Beginn der Bürgerrechtsbewegung in Jackson, Mississippi.

Gewiss verdankt sich der Erfolg von „The Help“ (Regisseur Tate Taylor ist ein Jugendfreund Stocketts) den Darstellerinnen: Viola Davis erobert als tapfere Nanny Aibeleen mit wenig Worten und starker Ausstrahlung die Herzen des Publikums, Octavia Spencer (Foto, rechts) ist als urkomische, unerschrockene Minny eine Wucht (und ihr Schokokuchen die süßeste Rache seit Erfindung des Ku-Klux- Klans), Sissy Spacek spielt als verwirrte Alte die jungen Spießerinnen an die Wand, und Jessica Chastain (links, die Rothaarige aus „Tree of Life“) gibt die sympathische Exzentrikerin. Aufstand der Duldsamen, im Verbund mit den Außenseiterinnen: Warum nur gibt es in dieser Gutmenschenriege so gar keine schillernden Charaktere? Märchenhaft. Christiane Peitz

USA 2011, 146 Min., R: Tate Taylor, D: Emma Stone, Viola Davis, Octavia Spencer

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