Zeitung Heute : MENSCH UND MOUSE

KURT SAGATZ

Die starken Seiten der digitalen MedienVON KURT SAGATZFrankfurt steht im Zeichen der Buchmesse.Und die Messe wird auch in diesem Jahr durch zahlreiche Neuerscheinungen aus dem Bereich der neuen Medien mitgeprägt.Von Konkurrenz der verschiedenen Medienträger oder gar von Verdrängung der klassischen Medien durch die elektronischen Titel ist dabei längst nicht mehr die Rede.Sinnvolle Ergänzung und Erweiterung sowie Gewinnung neuer Käuferschichten lauten vielmehr die Vokabeln der Marketing-Strategen.Den Verlust euphorischer Gefühle und den Abgesang auf die Goldgräberstimmung haben manche Marktbeobachter fälschlicherweise mit Resignation gleichgesetzt, obwohl doch die Erwartungen der Hersteller nie so groß waren wie eben gerade von jenen Auguren beschworen.Sicher, der Abschied einiger Anbieter aus Teilsegmenten dieses noch jungen Marktes sowie die Fusion einiger Verlage haben einen vordergründig negativen Beigeschmack.Doch näher betrachtet geben die Richtungsänderungen der Branche nur neue Kraft, um auch zukünftig aufwendige Produktionen von anspruchsvollen CD-ROM-Titeln wirtschaftlich rechtfertigen zu können.Dies gehört zum Prozeß des Erwachsen-werdens, in dem sich die Branche befindet, einfach dazu, denn auch Multimedia muß sich rechnen.Nicht das Einheimsen von Preisen zählt am Ende, sondern die Durchsetzung marktgerechter Preise in Computerläden, Kaufhäusern und dem Buchhandel.Glücklicherweise geht der neue Realismus einher mit gestiegener Qualität der Produkte.Dem Kunden bleibt so die Frustration durch schlampig produzierte Titeln in bunten Schachteln erspart.Er hat nun wieder die Chance, in den sich quantitativ lichtenden Regalen die guten und qualitativ hochwertigen Titel zu finden, bei denen Preis und Leistung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Leider - und dies ist die Schattenseite der marktbezogenen Produktions- und Absatzstrategie - werden die Mittel für originäre CD-ROM-Titel knapper.Nach der Devise "Produziert wird, was sich verkaufen läßt", nimmt die Zahl der Titel zu, die auf erfolgreichen Vorbildern beruhen.Aus dem Buch zum Film wird die CD-ROM zum Buch oder die Silberscheibe zum Film.Immerhin - und hier bleibt zu hoffen, daß sich dieser Trend fortsetzt - werden die Vorlagen zumeist dazu genutzt, Handlungen weiterzuführen und um multimediale Elemente zu erweitern, die so in Büchern oder Filmen nicht denkbar wären.Gerade hierin liegt einer der stärksten Seiten des elektronischen Mediums, die die Verlage geschickt ausspielen sollten.

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