Zeitung Heute : Mensch & Mouse

WILFRED LINDO

Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber Windows 98 und deutlich weniger Werbung, kam dieser Tage die stolze Meldung von einem absoluten Rekordjahr aus Redmond.Wieder geht die Runde an Gates.Mit einem Gewinnsprung von 30 Prozent hat Microsoft wieder einmal eine sichere Landung hingelegt.Angesichts dieser Zahlen ist es immer wieder verblüffend, wie das Unternehmen teilweise nur mit heißer Luft den Kunden zum Narren hält und den Mitbewerbern das Fürchten lehrt.

Dabei ist die Strategie bei fast jedem Produkt identisch.Vollmundig kündigt das Unternehmen die bevorstehende Produktneuheit an.Natürlich stellt diese alles bisher Dagewesene in den Schatten.Die Konkurrenz solle sich auf jeden Fall warm anziehen, da bereits die ersten Beta-Versionen in den Startlöchern stünden.Die Werbetrommel kündet von der anstehenden Fertigstellung des Produktes.Doch kurz vor der Auslieferung kommt es zu einer unvorhersehbaren Verschiebung.Die bereits in den Verkaufsregalen geglaubte Version braucht nun doch noch einige Monate bis zur Marktreife.Dafür gibt es die nächste Liste mit bahnbrechenden Eigenschaften der avisierten Weltneuheit.Dieses Spielchen treiben die Leute aus Redmond meist ein bis zwei Jahre.Zumindest schaffen sie es, in dieser Zeit den Kunden davon abzuhalten, zu anderen Produkten zu greifen.

Diese Strategie kam auch bei Windows 98 zielstrebig zum Einsatz.Lange war der Neuling angekündigt, doch erst vor kurzem fand er den Weg in die Verkaufsregale.Auch hier wartete die Fangemeinde sehnsüchtig und markentreu auf die neue Version, ohne dabei an die Konkurrenz zu denken.Schon einige Tage nach dem Startschuß übersprang Microsoft die Millionengrenze jenseits des großen Teichs.



Selbst Fehlschläge können den Gates-Konzern nicht mehr aus der Fassung bringen.So segnete fast unbemerkt der hauseigene Online-Dienst MSN das Zeitliche.Ohne großes Aufsehen ging man bei Microsoft schnell wieder zur Tagesordnung über.Zu sicher sitzt Bill im Sattel, zu fest hat er die Zügel im Griff.Besonders, da er immer noch ein weiteres Eisen im Feuer hat.Beste Aussicht auf einen weiteren Markterfolg besitzt die angekündigte Version von Windows NT.Zwar sind seit der ersten Beta-Version wieder einige Monate ins Land gezogen und nur die wenigsten Branchenkenner erwarten noch in diesem Jahr die Vollversion, doch allein die Ankündigung erfüllt die Branche mit Angst und Schrecken.Zumal Bill Gates erstmals den Server-Markt im Auge hat.Alt eingesessene Konkurrenten werfen bereits heute das Handtuch, bevor NT überhaupt das Licht der Welt erblickt.Ein Mitbewerber-Sterben scheint sich anzukündigen.Hier werden wohl in den nächsten Jahren die Karten neu gemischt.



Bleibt nur noch die Frage zu klären, ob das Gates-Monpol überhaupt noch zu stoppen ist.Fast scheint die Marktmacht des Unternehmens unerträglich angewachsen zu sein.Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann sich Gates auch auf anderen Territorien tummelt.Konkurrenz belebt das Geschäft.Doch diese löst sich langsam in Wohlgefallen auf.Wer hat überhaupt noch annähernd die Kraft, sich Microsoft in den Weg zu stellen? Die Kunden können sich einen ernsthaften Konkurrenten nur wünschen.

Der Autor ist Unternehmensberater in Berlin und hat sich auf die neuen Medien spezialisiert.

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