Zeitung Heute : Mensch und Mouse

WILFRED LINDO

Wenn der eigene Rechner unkontrollierte Meldungen von sich gibt oder wirre Zeichen auf dem Bildschirm erscheinen, dann rührt dies nicht vom unsachgemäßen Gebrauch, sondern es steckt ein Computer-Virus dahinter.Kleine, gefährliche Programme, die ausreichend für Ärger in der "Kiste" sorgen, sind auf dem Vormarsch.Weit mehr als 10 000 unterschiedliche Exemplare sind zum jetzigen Zeitpunkt bekannt, monatlich kommen neue Varianten hinzu.

Doch die digitalen Viren sorgen auch für ständig wachsende Umsätze.Längst bringt der Kampf gegen Trojanische Pferde, Würmer und Viren eine neue Branche mit enormen Wachstumsraten hervor.Angeheizt von Schreckensmeldungen aus den Medien und phantastischen Gerüchten über immer neue Epidemien, schießen spezialisierte Softwarehäuser wie Pilze aus dem Boden.Sie bieten vollmundig den absolut sicheren Schutz gegen zerstörerische Erreger an.Da sich immer wieder neue Hacker ans Werk machen, scheint dieses Geschäft auch niemals zu versiegen.Meist ist bereits nach der ersten Meldung des digitalen Übeltäters schon die rettende Software, der sogenannte Scanner, verfügbar.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell teilweise die rettende Lösung zur Hand ist.Dabei ist nicht immer genau zu unterscheiden, ob die prophezeiten Systemabstürze wirklich in dem Ausmaß eintreten, wie sie von den Medien angedroht werden.Für die einschlägige Presse ist zumindest ein neuer virtueller Krankheitserreger immer eine gute Schlagzeile wert.Letztes Beispiel ist ein erster Virus, der die Hardware ernsthaft angreifen soll.So mausert sich ein bedrohlicher Virus auch immer zu einem gelungenen Werbe-Gag.



Wurden bisher Raubkopierer von Trojanischen Pferden und Bootsektor-Viren heimgesucht, so kann nun per Internet der Feind den Anwender schnell und einfach online erreichen.Per Datenleitung können nun Viren fast jeden Rechner weltweit heimsuchen.Es eröffnet sich ein völlig neues Betätigungsfeld für den ambitionierten Viren-Entwickler.Zudem geschieht die Verteilung der infizierten Software rasend schnell, was die Eindämmung deutlich erschwert.Dabei sind die Beweggründe für das Erstellen einer digitalen Bakterie vielschichtig.Das Spektrum reicht vom kleinen Gag unter Freunden bis hin zum politisch ausgerichteten High-Tech-Fanatiker, der die Welt in ihrendigitalen Festen erschüttern will.



Längst ist zwischen den Hackern und Produzenten von Virenscannern ein regelrechter Wettkampf entbrannt.Dabei sind reißerische Meldungen in den Medien nicht ganz unschuldig an dieser rasanten Entwicklung.Immerhin können sich dadurch die jeweiligen Digital-Täter kurz im zweifelhaft erlangten Ruhm sonnen.Dabei handelt es sich schon lange nicht mehr um einfache, kleine Programme.Vielmehr handelt es sich bereits um komplexe Anwendungen, die ernsthaften Schaden anrichten können.Eine wirkliche Bedrohung des Anwenders ist kaum mit einigen Ankündigungen über eine neue Software in den Griff zu bekommen.In einzelnen Fällen muß der Gesetzgeber seine Pflicht ausüben.

Der Autor ist Unternehmensberater in Berlin und hat sich auf die neuen Medien spezialisiert.

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