Zeitung Heute : „Mensch, wir kriegen ja doch was hin“

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Die Verbraucher sind optimistischer geworden, besagt der Konsumklimaindex. Herr Wübbenhorst, werden wir bald konsumieren wie die Weltmeister?

Die Trendwende ist da. Der Konsumklimaindex hat deutlich von 3,1 Punkten im Januar auf 4,1 für Februar zugelegt. Doch verlassen wir beim Konsum gerade erst die Abstiegsplätze. Stürmen werden die Deutschen die Läden vorerst noch nicht.

Die Deutschen gelten als Miesepeter.

Warum sind wir plötzlich optimistischer?

Wir sind viel skeptischer als andere Nationen und neigen dazu, das Negative zu überzeichnen. Das ergeben unsere Umfragen immer wieder. Doch während in der zweiten Hälfte 2004 noch negative Schlagzeilen wie die Krisen bei Karstadt-Quelle und Opel die Stimmung drückten, dominieren jetzt positive Entwicklungen – wie zum Beispiel der gelungene Start der LKW-Maut. Das hat Zutrauen gegeben nach dem Motto: Mensch, wir kriegen ja doch was hin. Auch Hartz IV ist glatt angelaufen. Grundsätzlich herrscht derzeit aber auch die Bereitschaft, eher auf gute Nachrichten zu hören als auf schlechte.

Sind alle Deutschen gleich gut gelaunt?

Die Ostdeutschen sind viel pessimistischer als die Menschen im Westen. So liegt ihre Anschaffungsneigung etwa 30 Punkte unter der der Menschen im Westen. Auch die Einkommenserwartungen sind deutlich niedriger. Und während der Konsumklimaindex in Westdeutschland klar positiv ist, liegt er im Osten weiter im negativen Bereich. Die Stimmungsschere geht seit Anfang der 90er Jahre kontinuierlich auseinander. Daran hat sich leider – wie auch an der realen Lage – nichts geändert.

Welche Faktoren bremsen nach wie vor?

Die Arbeitslosigkeit macht uns am meisten Angst. 80 Prozent der Deutschen sehen in ihr das größte Problem. Aber auch hohe Benzinpreise drücken die Konsumlaune. Ganz kippen könnte die Stimmung wieder bei einer Mehrwertsteuererhöhung oder Massenentlassungen. Doch der Aufwärtstrend ist da und die Deutschen gieren nach Erfolgsmeldungen.

Wird der private Verbrauch wieder zur Stütze des Wirtschaftswachstums?

Ja. Ich gehe davon aus, dass der private Konsum mit plus 0,8 Prozent die wirtschaftliche Entwicklung stärken wird. Damit steht der Aufschwung auf breiterem Fundament und ist nicht mehr nur vom Export abhängig.

Klaus Wübbenhorst ist Chef der Marktforschungsgruppe GfK.

Das Gespräch führte Tanja Kewes.

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