Zeitung Heute : Mercedes AMG: Schnell und individuell

Ingo von Dahlern

Eine C-Klasse steht da - das sieht man auf den ersten Blick. Doch irgendetwas ist anders an ihr. Sie liegt tiefer als normal. Und der große Stoßfänger mit den integrierten Nebelscheinwerfern sieht auch anders als als die ganz normale C-Klasse-Front. Blickt man dann von der Seite auf dieses Auto, dann besteht kein Zweifel mehr. Das hier ist keine normale C-Klasse. Die Seitenschwellerverkleidungen und vor allem die Doppelspeichen-Leichtmetallräder mit ihrer sterlingsilbernen Lackierung bestätigen, dass diese C-Klasse anders ist. Und beim Blick aufs kraftvoll wirkende Heck mit dem verchromten Doppelauspuffrohr kann man es nicht mehr übersehen. C 32 steht als Typbezeichnung auf dem Kofferraumdeckel - ergänzt durch die drei Buchstaben AMG.

Die haben seit nunmehr 33 Jahren einen ganz besonderen Klang. Denn 1967 machte sich Hans-Werner Aufrecht, der acht Jahre lang Mitarbeiter der Versuchsabteilung bei Mercedes-Benz war, selbstständig. Zusammen mit seinem Partner Erhard Melcher gründete er ein Tuningunternehmen, das sich von Beginn an auf Mercedes-Modelle beschränkte. Und als Namen für das neue Unternehmen wählte man die ersten Buchstaben der Namen beider Partner und fügte ein großes "G" für Großasbach an, den Geburtsort Aufrechts nördlich der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart. AMG wurde schnell zu einem Begriff. Schon 1971 gab es den ersten Motorsportauftritt. Der

315 kW (428 PS) leistende Mercedes 300 SEL 6.9 errang bei den 24 Stunden von Spa den ersten Platz in seiner Klasse. Zwischen 1986 und 1993 fuhren AMG-Fahrzeuge allein 50 Siege in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ein.

Erfolge, die bei Mercedes mehr als positiv registriert wurden. Denn 1988 wurde AMG offizieller Partner von Mercedes-Benz in der DTM und zwei Jahre später, im Oktober 1990, unterzeichneten AMG und Mercedes-Benz einen Kooperationsvertrag, gingen fortan gemeinsame Wege. Mit dem 1993 auf der IAA vorgestellten C 36 AMG präsentierte man das erste gemeinsam entwickelte Fahrzeug, das sich zu einem Bestseller entwickelte. Weitere Erfolgsmodelle auf Basis der S-Klasse und des SL folgten. Und Im Januar 1999 war es schließlich so weit: AMG wurde als Tochterunternehmen in die DaimlerChrysler AG eingegliedert und die AMG-Modelle wurden zu den sportlichen Spitzenmodellen der verschiedenen Modellreihen. 17 sind es derzeit. Drei davon sind neu. Der SLK 32 AMG und der C 32 AMG sowohl als Limousine als auch als T-Modell.

Was hier vor uns steht, ist also das neue Topmodell der C-Klasse. Ein Hochleistungssportler im Limousinengewand, der gemessen an seinem Leistungspotenzial geradezu bescheiden auftritt. Ein ausgesprochenes Understatement-Auto, das es allerdings in sich hat. Unverkennbar ist das, wenn man in diesem Auto Platz nimmt, der Blick auf das eigenwillige Kombi-Instrument mit der 300-km/h-Skala fällt. Ansprechend ist das neu geformte längs- und höhenverstellbare AMG-Lederlenkrad mit seinen silberfarbenen Ziernähten. Edel die optimalen Seitenhalt gebenden lederbezogenen Sportsitze mit elektrischer Sitzhöhen- und Lehnenverstellung, die mit feinem Leder bezogenen Türinnenverkleidungen und der Wählhebel mit dem C 32-Logo. Ein in jeder Beziehung besonderes Auto also.

Und das gilt nicht nur für die Optik, sondern vor allem die Technik unterm Blech. "V6-Kompressor" steht an der rechten Fahrzeugflanke als Hinweis auf ein Aggregat der Spitzenklasse. Zwar ist dieser V6 mit einem Hubraum von 3,2 Liter ebenso groß wie das Triebwerk des größten C-Klasse-Modells C 320. Doch dessen 160 kW (218 PS) stellt das AMG-Aggregat stolze 260 kW (354 PS) gegenüber. Das höchste Drehmoment liegt bei 450 Nm bei 4400, von denen rund 400 bereits zwischen 2300/min und 6100/min verfügbar sind. Das bedeutet unbändige Kraft in praktisch jedem Drehzahlbereich und verspricht außergewöhnliche Fahrleistungen. Schon der erste Tritt aufs Gaspedal ist wie eine Bestätigung dafür. Bleibt man auf dem Pedal stehen, dann vergehen gerade einmal 5,2 Sekunden, bis die Tachonadel die Tempo-100-Marke erreicht. Nach 18,6 Sekunden würde sie dann die Tempo-200-Marke passieren und erst bei Tempo 250 - elektronisch abgeregelt - anhalten. Ein Auto für flottes Fahren fürwahr, das auch vor den wenigen hochkarätigen Sportlern im aktuellen Angebot problemlos bestehen kann. Ein Auto allerdings auch, das mit verblüffend niedrigen Drehzahlen und bei kaum hörbarem Triebwerk zum genussvollen Dahingleiten im hohen Gang einlädt.

Möglich wird diese Leistungscharakteristik durch einen neu entwickelten Schraubenkompressor mit aus Aluminium gegossenen teflonbeschichteten Rotoren, der bei Höchstdrehzahl 20700 Umdrehungen pro Minute erreicht. In Verbindung mit dem V6-Motor bildet er eine besonders kompakte Antriebseinheit, die einem sehr viel größeren aufgeladenen V8 durchaus ebenbürtig ist. Dazu trägt der Ladedruck von mehr als ein bar bei, der rund ein Drittel über dem herkömmlicher mechanischer Lader liegt. Zudem ist diese Kombination besonders wirtschaftlich, denn der Kompressor wird nicht permanent angetrieben. Vielmehr ist er so konstruiert, dass er sich über eine elektromagnetische Kupplung abhängig von Drehzahl und Last zuschaltet. Im Teillastbereich läuft der 3,2-Liter-V6 deshalb als reiner Saugmotor. Das wiederum hat positiven Einfluss auf Wirkungsgrad, Verbrauch, Geräusch- und Abgasemissionen. So liegt der Durchschnittsverbrauch dieses Hochleistungsmotors bei nur 11,5 l Super bleifrei/100 km und die Maschine erfüllt die Abgasnormen EU3/D4.

Um sie auf ihr hohes Leistungsniveau zu bringen, haben die AMG-Ingenieure an vielen Details des Motors gefeilt. So erhielt der Motor eine neue Kurbelwelle, neue Pleuel, eine angepasste Ausgleichswelle, eine Ölpumpe mit mehr Durchsatz, "gebaute" besonders leichte Nockenwellen und härtere Ventilfedern . Zwischen den beiden Zylinderbänken sitzt ein neuartiger Gegenstrom-Wasser-Ladeluftkühler. Zudem wird jedes Triebwerk mit engsten Toleranzen von Hand aufgebaut.

Neu im C32 AMG ist zudem die Speedshift-Fünfgang-Automatik. Sie schaltet automatisch zurück, wenn der Fahrer vor einer Kurve mit einer bestimmten Verzögerung bremst, hält bei entsprechender Querbeschleunigung in der Kurve aber auch den Gang, um nicht durch Lastwechselreaktionen zu überraschen, und legt beim Halten des Schalthebels nach links automatisch den optimalen Gang ein.

Schnelle Autos wie der C 32 AMG brauchen ein auf ihre hohe Dynamik abgestimmtes Fahrwerk. Das haben die AMG-Techniker um 30 Millimeter tiefer gelegt und rundum neu abgestimmt, so dass auch bei flotter Fahrt ein präzises Handling garantiert ist. Neue Maßstäbe setzt zudem das erheblich verstärkte Bremssystem, das bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 den C 32 AMG bereits nach 36 Metern zum Stillstand kommen lässt - nicht nur als Limousine, sondern auch als T-Modell, das mit dieser Motorisierung zu den flottesten Kombis auf dem Markt gehört. Trotz ihres hohen Leistungspotenzials sind beide Versionen aber auch uneingeschränkt alltagstauglich.

Mit dem gleichen Antriebsstrang ausgestattet wie Limousine und T-Modell baut AMG zudem den Roadster SLK 32 AMG. Binnen 5,2 Sekunden auf Tempo 100, 250 km/h schnell, mit erstklassigem Fahrwerk und überzeugenden Bremsleistungen präsentiert er sich mit exklusiver Ausstattung als Power-Roadster der Top-Klasse. Und dass AMG mit Autos wie diesen drei Neuerscheinungen offenbar auf dem richtigen Weg ist, zeigen die beachtlichen Verkaufszahlen, die 2000 mit 11500 Autos mehr als doppelt so hoch wie 1999 waren.

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