Zeitung Heute : Mercedes-Benz: Der mit dem großen Raum

Ingo von Dahlern

Er ist das Raumfahrzeug der neuen C-Klasse - der traditionell T-Klasse genannte Kombi, der gerade erst in Detroit seinen ersten offiziellen Auftritt hatte und bereits im März bei den deutschen Händlern stehen wird. Mit ihm ist die C-Klasse nach Limousine und Sportcoupé - das übrigens gleichzeitig mit dem T-Modell an den Verkaufsstart geht - dann mit erstmals drei Karosserieversionen komplett.

Für den Kombi in der C-Klasse ist das neue Modell die zweite Generation eines Erfolgsmodells. Denn das erste 1996 auf den Markt gebrachte T-Modell in dieser Klasse erzielte rund 250 000 Verkäufe. Damit entschieden sich ein Drittel der C-Klasse-Käufer für die variablere Variante und bestätigten zugleich, dass bei der Kundschaft von Mercedes-Benz, der man erst 1977 erstmals einen Kombi anbot, inzwischen ein großer Bedarf nach einem vielseitig nutzbaren Auto besteht, mit dem man mehr unternehmen kann, als nur Personen und deren Gepäck zu transportieren.

Trotzdem muss ein solches Auto nicht wie ein Transporter aussehen. Das zeigt die Linie des neuesten T-Modells, dessen hintere Dachpfosten extrem geneigt sind, so dass sich eine stark gerundete Heckpartie ergibt. Das kostet zwar, will man den Laderaum dachhoch wirklich bis zum letzten Kubikzentimeter nutzen, ein paar Liter Stauvolumen. Aber dieser Platz wird nur in wenigen Ausnahmefällen erforderlich sein. Deshalb ist es verständlich, wenn man einer harmonischen Linie den Vorzug gab.

Das schmeichelt nicht nur dem Auge, sondern hat auch handfeste Vorteile etwa bei der Aerodynamik. Denn das neue T-Modell erzielt einen Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) von 0,31 - für einen Kombi ein Spitzenwert. Das unterstreichen auch die Bilder aus dem Windkanal, denn hinter dem Fahrzeug gibt es keine störenden Verwirbelungen, was auch dazu beiträgt, dass die Heckscheibe nur wenig verschmutzt. Erreicht wird dieses Ziel mit Unterstützung durch einen dezenten Dachspoiler, der zugleich den nötigen Platz für die Aufnahme der hochgesetzten dritten Bremsleuchte bietet.

Verglichen mit dem ein wenig kantigeren Vorgänger ist das neue T-Modell innen nicht weniger geräumig, ja es bietet sogar noch ein wenig mehr Platz. Und vor allen Dingen noch besser nutzbaren Platz. Denn jetzt lassen sich nicht nur die Rücklehnen der asymmetrisch geteilten Rückbank nach vorn klappen, sondern auch die Sitzflächen. Das ergibt einen so gut wie ebenen Laderaumboden mit einer maximalen Größe von 1693 x 884 Millimeter oder exakt 1,5 Quadratmeter. Der größte Quader, der im Laderaum des neuen T-Modells untergebracht werden kann, misst 783 Liter - das sind elf Liter mehr als beim Vorgänger. Insgesamt fasst der Laderaum zwischen 470 und 1384 Liter. Und noch ein Maß ist recht interessant. Wenn man nämlich die Lehne des Beifahrersitzes komplett nach hinten neigt, dann passen Gegenstände bis zu einer Gesamtlänge von 2,65 Meter ins neue T-Modell.

Was hinten an Gepäck liegt, soll natürlich nicht für jedermann erkennbar sein. Deshalb gehört zur Ausstattung eine neu entwickelte Laderaumabdeckung, in die als wichtiges Sicherheitselement auch ein Sicherheitsnetz integriert ist. So kann die nicht durch die Rücklehen der Fondsitze gesicherte Ladung im Heck bei einem starken Bremsmanöver zum Beispiel nicht nach vorn rutschen und die Passagiere verletzen. Und da wir schon bei Maßen sind. Die Heckklappe hat in geöffnetem Zustand einen Abstand von 1,99 Meter vom Boden. Da müssen auch groß gewachsene Menschen den Kopf nicht einziehen.

Kurzum, das neue T-Modell zeigt sich als ein in allen entscheidenden Details gut durchdachter Kombi. Das gilt auch für die nur wenigen Handgriffe, die nötig sind, um Rücksitzlehnen und Sitzflächen umzuklappen. Dabei muss man sich auch keine Sorge machen, dass dabei ein schwer entwirrbarer Gurtsalat entsteht. Und zu den gut durchdachten Details gehört auch die praktische herausnehmbare Einkaufsbox in der Reserveradmulde - vorausgesetzt, man vertraut für den Fall einer Panne auf das Reifendichtmittel Tirefit und verzichtet dafür auf das fünfte Rad am Wagen. Ebenfalls zur Ausstattung des T-Modells gehören eine 12-Volt-Steckdose im Kofferraum und die Ablagen in den seitlichen Kofferraumverkleidungen, die durch Netze vom Gepäckraum abgetrennt sind.

Die vordere Hälfte des neuen T-Modells entspricht in Dimensionen, Ausstattung und Technik der Limousine, deren typisches Gesicht auch das T-Modell trägt. Und was über das gegenüber dem Vorgänger gewachsene Platzangebot für die Passagiere der Limousine gilt, das gilt gleichermaßen für den neuen Kombi, der mit seiner eleganten gestreckten Linie große Dynamik signalisiert. Dass er die damit geweckten Erwartungen auch erfüllt, dafür garantiert zum einem sein von der Limousine übernommenes Fahrwerk und vor allem auch das Motorenprogramm. Denn unter den insgesamt sieben Triebwerken - vier Benzinern und drei Dieseln - gibt es einige Motoren, die für ein T-Modell der C-Klasse völlig neu sind.

Das gilt zum Beispiel für das neue Spitzentriebwerk - den 3,2-l-V6 mit 160 kW (218 PS), der dem C 320 als Kombi den Spurt auf Tempo 100 binnen 8,1 Sekunden und maximal 242 km/h erlaubt. So flott war noch kein T-Modell in dieser Klasse. Wem Sechszylinder-Fahrkomfort mit nicht ganz so viel Power genügt, dem bietet sich der C 240 mit 125 kW (170 PS) an. Nur ein Vierzylinder und trotzdem betont agil ist der C 200 Kompressor mit 120 kW (163 PS), der binnen 9,1 Sekunden auf Tempo 100 spurtet und 226 km/h erreicht. Ihm ebenbürtig ist der C 270 CDI mit seinem Common-Rail-Turbodiesel mit 125 kW (170 PS) mit 9,3 Sekunden und 224 km/h - allerdings bei einem Verbrauch, der mit 7,1 l/100 km klar unter den 9,9 l/100 km des Kompressormotors liegt. Mit sogar nur 6,7 l/100 km zufrieden sind die beiden 2,2-l-CDI-Motoren mit 85 und 105 kW (116 und 143 PS) im C 200 CDI und C 220 CDI.

Für die Motoren stehen drei Getriebe zur Wahl - das Sechsgang-Schaltgetriebe, die Fünfgang-Automatik und das neu entwickelte automatisierte Schaltgetriebe Sequentronic. Es ist nicht die einzige Innovation beim neuen T-Modell, das mit allen Innovationen und allen Ausstattungslines verfügbar ist, wie schon die Limousine - und künftig sogar als C 32 AMG mit 260 kW (354 PS) angeboten werden wird. Dieser auf 17-Zoll-Rädern rollende Hochleistungskombi mit Automatik mit Speedshift-Funktion, Sportsitzen und Lederausstattung wird Ende Februar in Genf debütieren. Er kostet 112 948 DM - dafür bekommt man bereits zwei Basismodelle C 180 als Classic, deren Preise bei 54223 DM beginnen und selbst mit dem Diesel C 200 CDI für 55812 DM könnte man sich noch doppelt ausstatten.

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