Zeitung Heute : Merkel stellt sich offen gegen Sarkozy

Vor Treffen mit französischem Präsidenten lehnt Kanzlerin mehr staatlichen Einfluss auf EADS-Konzern ab

Juliane Schäuble

Berlin - Unmittelbar vor dem Spitzentreffen bei Airbus in Toulouse hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) französischen Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Einfluss auf die Airbus- Mutter EADS eine klare Absage erteilt. „Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird“, sagte sie in einem Interview mit dem Handelsblatt. Am Stammsitz des europäischen Flugzeugbauers wollen Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy an diesem Montag über Reformen für den angeschlagenen Konzern verhandeln.

Merkel erinnerte daran, dass es bei der Gründung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS im Jahr 2000 gemeinsame Annahme gewesen sei, dass Frankreich seinen Staatsanteil verringere. „Realistisch ist allerdings, dass dies für den französischen Staat kurzfristig eher schwierig ist“, erklärte sie. Mit dem Verweis auf den verabredeten Ausstieg stellte sich Merkel gegen Sarkozy, der den staatlichen Anteil an EADS gerne ausbauen würde. In den vergangenen Wochen hatte Sarkozy mehrfach am EADS- Aktionärspakt gerüttelt. Dieser sichert den industriellen Anteilseignern Daimler-Chrysler und der französischen Lagardère-Gruppe das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen und begrenzt die französische Staatsbeteiligung auf 15 Prozent. „Die Franzosen wollen stärkeren Einfluss auf das Unternehmen, Deutschland das blanke Gegenteil“, sagte ein Regierungsvertreter dem Tagesspiegel.

Welche Ergebnisse nun konkret verkündet werden, war laut Regierungskreisen bis zuletzt offen. Im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die EADS-Doppelspitze abgeschafft wird. Ob allerdings der Franzose Louis Gallois oder der Deutsche Thomas Enders EADS künftig alleine führen wird, blieb unklar. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ soll der Franzose den Zuschlag bekommen haben, gibt dafür aber die Airbus-Leitung an Enders ab. Zudem werde der Chefposten des mächtigen EADS-Verwaltungsrates künftig von einem Deutschen besetzt.

Es habe eine Reihe von Gesprächen zwischen den Anteilseignern gegeben, um effizientere Management-Strukturen zu finden, sagte Merkel lediglich. „Ich freue mich, dass man darüber nun mit der französischen Regierung sprechen kann“, erklärte sie. Ein wesentlicher Punkt sei das gemeinsame Bekenntnis zum Sanierungsprogramm „Power 8“ des Unternehmens. Im Zuge von „Power 8“ will Airbus europaweit 10 000 Stellen abbauen, 3455 davon in Deutschland, und Werke ausgliedern.

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