Zeitung Heute : Merkel und Obama: Wir sind Partner

US-Präsident und die Kanzlerin demonstrieren Einigkeit bei Klimapolitik und gegenüber Irans Führung

Christoph von Marschall[Washington]

Beim Antrittsbesuch der Kanzlerin am Freitag im Weißen Haus haben Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama bei zentralen internationalen Themen ein hohes Maß an Einigkeit gezeigt. Beide betonten bei der gemeinsamen Pressekonferenz die demokratischen Rechte der Iraner und die Notwendigkeit, Teherans Atomprogramm durch Verhandlungen zu stoppen. Merkel bedankte sich für Obamas Bemühen um einen Erfolg der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember.

Obama sagte, Deutschland habe einen „warmen Platz“ in seinem Herzen, insbesondere, „weil ich Angela Merkel mag.“ Sie sei smart, „und ich vertraue ihr, wenn sie etwas sagt“. Der US-Präsident räumte ein, dass die USA beim Klimaschutz noch viel tun müssten. „Ich bin der erste, der zugibt, dass die USA in den vergangenen Jahren nicht dort waren, wo wir hätten sein müssen.“ Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen gehe es nicht nur um Zahlen und Zielsetzungen, sondern auch darum, Verantwortung für jene Länder zu zeigen, die am meisten unter der Klimaerwärmung leiden werden, meinte Merkel. Obama sagte, er hoffe, dass die USA bald in der Lage seien, Deutschlands Beispiel im Kampf gegen den Klimawandel zu folgen. Er sei „beeindruckt“ von Deutschlands „Voraussicht und Verpflichtung“ beim Einsatz sauberer Energie.

Merkel setzte sich erneut für eine diplomatische Lösung im Nuklearkonflikt mit Teheran ein. Deshalb sei es besonders wichtig, Russland und China in dieser Frage einzubinden. Die Führung im Iran dürfe zudem nicht glauben, dass die Welt blind gegenüber den schrecklichen Ereignissen im Land sei. Aus eigener Erfahrung in der früheren DDR wisse sie, wie wichtig es sei, dass die Welt wahrnehme, wenn die Rechte von Menschen verletzt werden. Vor dem Treffen im Weißen Haus hatte es erneut Spekulationen geben, dass Obama und Merkel nicht hundertprozentig an einem Strang ziehen könnten. Die „New York Times“ schrieb am Freitag von „fehlender Chemie“ zwischen den beiden Politikern. Obama hatte dies, wie auch die Kanzlerin, erst Anfang Juni bei seinem Besuch in Dresden zurückgewiesen.

Vor ihrem Treffen mit Obama war Merkel mit der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zusammengekommen. Diese lobte den Einsatz Merkels für den Klimaschutz. Pelosi habe Merkel eingeladen, bei ihrem nächsten Besuch vor beiden Häusern des US-Kongresses zu sprechen, hieß es aus deutschen Delegationskreisen. mit dpa/ddp

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