• Meuterei, Vertuschung, Waffenspiele Armeeführung in Erklärungsnot Ermittler auf der Gorch Fock Guttenberg sagt umfassende Aufklärung zu

Zeitung Heute : Meuterei, Vertuschung, Waffenspiele Armeeführung in Erklärungsnot Ermittler auf der Gorch Fock Guttenberg sagt umfassende Aufklärung zu

Berlin - Die Bundeswehrführung steht nach dem Vorwurf der Vertuschung in mehreren Fällen unter Druck. Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ unterbrach am Donnerstag eine Südamerika-Reise, damit Marine-Ermittler an Bord den Verdacht der Meuterei und sexueller Übergriffe aufklären können. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sicherte „rückhaltlose Aufklärung“ zu.    

Im Fall eines Soldaten, der vor Weihnachten erschossen in Nordafghanistan aufgefunden wurde, kommt der wahre Unfallhergang erst jetzt – auch durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft – ans Licht. Weiter unklar ist, wer hinter der heimlich geöffneten Feldpost in Afghanistan steckt. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), nahm die Offiziersanwärter in Schutz: „Es gab keine Meuterei“, sagte er dem Fernsehsender N24. „Es gab einige, die dort gesagt haben: Vor dem Hintergrund dieses tragischen Unfalls möchten wir nicht zum Tagesbetrieb übergehen. Das wurde von der Schiffsführung nicht gutgeheißen.“    Die SPD sieht nun den Verteidigungsminister in der Pflicht. „Guttenberg muss die drei Vorgänge zur Chefsache machen“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Der Minister müsse am nächsten Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags umfassend Auskunft geben.

Guttenberg verwahrte sich gegen Pauschalurteile über Soldaten und verteidigte das Konzept des „Staatsbürgers in Uniform“. Wo es Versäumnisse und Fehler gebe, müsse man sie aufklären. Er versprach eine vollständige Aufklärung des tödlichen Sturzes einer Offiziersanwärterin auf der „Gorch Fock“ im vergangenen November. Die 25-Jährige war aus der Takelage gestürzt. Außerdem steht gegen vier andere Kadetten, die nicht mehr in die Masten klettern wollten, der Vorwurf der Meuterei im Raum. Mit der Klärung der Vorwürfe wurde ein Ermittlerteam der Marine betraut, das aber erst noch zusammengestellt werden muss.

Die „Gorch Fock“ kehrte unterdessen zu ihrem zuletzt angesteuerten Hafen Ushuaia in Argentinien zurück. Nach dem Tod der Kadettin hatten Mitglieder der Besatzung Vorgesetzten Versagen vorgeworfen. Zudem sei das Vertrauen zwischen der Stammmannschaft und den Offiziersanwärtern gestört gewesen. Der Wehrbeauftragte Königshaus hatte in einem Brief an den Verteidigungsausschuss über Meuterei-Vorwürfe gegen vier Auszubildende berichtet. Die Ermittler müssen auch Vorwürfen nachgehen, die Stammbesatzung habe Offiziersanwärter bedroht und sexuell belästigt. 

Mit Blick auf den Tod eines Soldaten kurz vor Weihnachten verwies Guttenberg auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Inzwischen gibt es Berichte, ein Soldat habe bei Spielereien mit seiner Pistole auf den Hauptgefreiten gezielt und abgedrückt. Der 21-Jährige war kurz vor dem Weihnachtsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ums Leben gekommen.  Die Bundeswehr hatte zunächst mitgeteilt, der Mann sei mit einer Schusswunde gefunden worden, später jedoch die Staatsanwaltschaft informiert. Ein interner Feldjägerbericht wurde der Justiz am 14. Januar übergeben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa kommen die Ermittler darin zu dem Schluss, dass es sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um einen Unfall handelte. Tsp/dpa

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben