Zeitung Heute : Michael Maiers Arbeitsvertrag besteht fort - Verlag Gruner + Jahr will in Berufung gehen

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Die fristlose Kündigung des ehemaligen "Stern"-Chefredakteurs, Michael Maier, ist nicht rechtswirksam. Das Anstellungsverhältnis mit dem Verlag Gruner+Jahr (G+J) besteht fort. Dies hat das Arbeitsgericht Hamburg entschieden. Der Verlag hätte den auf drei Jahre befristeten Arbeitsvertrag von Maier erstmals am 31. Dezember 2000 zum 31. Dezember 2001 kündigen können. Maier könne weiter seine vollen Bezüge verlangen, auch ohne zu arbeiten, erläuterte der Richter. G+J will gegen das Urteil in Berufung gehen. (AZ.: 26 Ca 50/99)

Maier war im Juli nach nur halbjähriger Tätigkeit als Chefredakteur des "Stern" fristlos entlassen worden. Der Verlag warf Maier vor, er habe "illoyal Fakten geschaffen", weil er nicht mit dem damaligen geschäftsführenden Redakteur und heutigen Chefredakteur Thomas Osterkorn weiter zusammen arbeiten wollte. Diese Begründung ist nach Ansicht des Gerichts für eine fristlose Kündigung nicht ausreichend. Für diesen Vorwurf wäre "eine Abmahnung angemessen gewesen", meinte der Richter. Eine fristlose Kündigung sei ein "zu scharfes Mittel" gewesen.

"Ich freue mich sehr über das Urteil und halte es für richtig", sagte Michael Nesselhauf, der Rechtsanwalt Maiers. Der Kündigungsschutzklage wurde in vollem Umfang entsprochen. Maier stehen bei voller Auszahlung seines Vertrages weitere 2,5 Millionen Mark zu. Insgesamt belief sich der Drei-Jahresvertrag auf eine Summe von drei Millionen DM. In der Verhandlung hatte der Richter vorgeschlagen, dass sich die Parteien auf eine Entschädigung von 1,25 Millionen DM einigen könnten. Diese außergerichtliche Einigung nahm G+J nicht wahr. Der Verlag hatte nur 500 000 DM angeboten und ließ eine Einigungsfrist verstreichen.

Die Stimmung in der "Stern"-Redaktion wird als "schlecht" kolportiert. Ein Grund könnte die Auflagenentwicklung sein. Ging Michael Maier mit knapp 1,082 Millionen verkauften Exemplaren (Heft 26/99) aus dem Haus, steht das heutige Spitzenduo Andreas Petzold/Thomas Osterkorn mit Heft 43/99 bei 1,069 Millionen. Maiers Negativrekord: Heft 22/99 mit 1,037 Millionen.

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