Zeitung Heute : Microsoft: Freie Software ist nicht gern gesehen

Microsoft hat sich wieder einmal kritisch mit dem alternativen Open-Source-Modell auseinander gesetzt, dessen bekanntestes Produkt das Betriebssystem Linux ist. Microsoft-Vizepräsident Craig Mundie betonte dabei nachdrücklich, dass sein Unternehmen an urheberrechtlich geschützter Software festhalte. Der Schutz geistigen Eigentums und die daraus resultierenden Verwertungsmöglichkeiten seien ein Pfeiler des Wirtschaftssystems, ohne den es auch keine Forschung und Weiterentwicklung gebe.

Mundie setzte sich besonders mit der GNU General Public Licence (GPL) auseinander, einer Urheberrechtserklärung, die im Bereich der freien Software besonders häufig verwendet wird. Die GPL fordere, dass jedes Programm, in dem Teile enthalten seien, die schon unter der GPL lizenziert wurden, auch der GPL unterliege. Der Programmcode müsse dazu offen gelegt werden. Wer die GPL benutze, setze sich der Gefahr aus, dass sein geistiges Eigentum von anderen benutzt werde, kritisiert Mundie. Dies untergrabe die gesamte kommerzielle Software, weil es kaum noch möglich sei, Geld für Programme zu verlangen. Auch könnten die Softwareunternehmen praktisch keine GPL-Programme verwenden, da sie dann auch den Code ihrer Programme öffentlich machen müssten.

Mundie stellte der Open Source das Microsoft-Geschäftsmodell der Shared Source gegenüber. Dabei erhalten Geschäftskunden Einblicke in die für sie interessanten Programmteile, damit sie ihre Produkte entsprechend anpassen und verbessern können. Fast tausend Unternehmen in den USA und auch zahlreiche Hochschulen machten davon Gebrauch. Mundie betonte auch, dass Microsoft zusammen mit anderen Unternehmen weiter daran arbeite, industrieweite Standards zu entwickeln.

Widerspruch aus der Szene der freien Software ließ nicht lange auf sich warten. Vorgeworfen wurde Mundie, dass er Unsicherheit unter den Nutzern von Open Source verbreiten wolle. Verwiesen wurde darauf, dass die GPL nur eine von mehreren möglichen Lizenzen innerhalb der Open Source sei. Je nach Geschäftsmodell seien andere Lizenzen durchaus sinnvoller.

Der Begründer der GPL, Richard Stallman, erklärte, die GPL sei nicht für die Open-Source-Bewegung, sondern für die Freie Software konzipiert worden. Sie gründe sich auf "den Idealen der amerikanischen Verfassung von 1776: Freiheit, Gemeinschaft und freiwilliger Zusammenarbeit". Und es werde ja schließlich auch keiner gezwungen, die GPL zu benutzen. Wer sich aber dem Gedanken des Austauschs mit anderen anschließen und ein GPL-Programm benutzen wolle, der müsse seinerseits auch etwas geben.

Millionen Nutzer, zehntausende Entwickler und Firmen wie IBM und Sun hätten sich entschieden, mit den freien Programmierern zu teilen, erklärte Stallman in Bezug auf das Engagement dieser Unternehmen in der Open-Source-Bewegung und für Linux. Aber einige wollten wohl nur die Vorteile, ohne dafür etwas zu geben. "Sicher möchte Microsoft von unserem Code profitieren, ohne dafür die Verpflichtungen zu übernehmen", erklärte Stallman.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben