Zeitung Heute : Microsoft-Streit geht vor die Gerichte

Forderung der Kartellwächter geht Bill Gates zu weit / Verhandlungen gescheitert WASHINGTON (rtr/AP).Der US-Softwarekonzern Microsoft muß mit einer umfangreichen Wettbewerbsklage rechnen, nachdem Verhandlungen des Unternehmens mit den Justizbehörden am Wochenende gescheitert sind.Er sei sehr enttäuscht über den Abbruch der Gespräche am späten Sonnabend abend, sagte Microsoft-Besitzer Bill Gates.Die Regierung habe einige nicht verhandelbare Forderungen gestellt.Nach Angaben aus Behördenkreisen wird das US-Justizministerium nun am Montag zusammen mit 20 Bundesstaaten Klage gegen die Geschäftspraktiken von Microsoft erheben.Rechtsexperten warnten vor einem Mammutverfahren mit ungewissem Ausgang.Die Behörden werfen dem Konzern vor, er nutze seine Marktmacht bei Betriebssystemen aus, um Konkurrenten auch auf anderen Teilmärkten zurückzudrängen.Kritisiert wird, daß Microsoft sein weltweit führendes Betriebssystem Windows mit dem Internet-Zugangsprogramm Internet Explorer verknüpft.Während beim alten System Windows 95 noch eine Trennung beider Programme möglich war, soll der Explorer fester Bestandteil des neuen Systems Windows 98 sein.Damit werden nach Ansicht der Behörden die Anbieter anderer Internet-Programme benachteiligt.Microsoft-Betriebssysteme sind auf rund 90 Prozent der Computer weltweit installiert.Firmenchef Gates, einer der reichsten Unternehmer seines Landes, wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, Microsoft werde sich vor Gericht entschieden verteidigen.Das Unternehmen biete seinen Kunden das bestmögliche Betriebssystem, indem es Programme wie den Explorer integriere.Jetzt, da die Regierung zur Klage entschlossen sei, werde der Konzern auch die neue Version von Windows 98 wie geplant an die Kunden ausliefern, sagte Gates.Für die Dauer der Verhandlungen hatte Microsoft die Auslieferung unterbrochen.In Behördenkreisen hieß es, die Gespräche seien gescheitert, als Microsoft ein am Donnerstag gemachtes Zugeständnis zurückgezogen habe.Danach hätten Computerhersteller das Recht gehabt, die für den Benutzer sichtbare Bildschirmoberfläche des Betriebssystems zu verändern.Der Erfolg eines Programms hängt unter anderem davon ab, ob es in Form eines Symbols auf der graphischen Oberfläche von Windows dargestellt ist.Viele PC-Hersteller installieren Programme bereits ab Werk auf dem Computer.1995 hatte Microsoft eine Kartellklage durch eine Verständigung mit den Behörden abgewendet.Damals hatte der Konzern zugesagt, die Lieferung von Betriebssystemen an die Computerhersteller nicht von der Abnahme weiterer Microsoft-Produkte abhängig zu machen.Im vergangenen Jahr ging das US-Justizministerium gerichtlich gegen Microsoft vor, weil es das Abkommen durch die Verknüfung von Windows 95 und Internet Explorer verletzt sah.Auch hier gab Microsoft erst in letzter Minute nach und erlaubte es den Computerherstellern, das Symbol für den Internet Explorer von der Benutzeroberfläche zu entfernen.Rechtsexperten warnten vor einem umfangreichen Verfahren mit ungewissem Ausgang."Das ist immer eine schwierige Sache", sagte George Cary, ein ehemaliger Anwalt der US-Handelsaufsicht FTC.Bei solchen Klagen könne man nie zu 100 Prozent sicher sein.Er verwies auf einen Rechtsstreit zwischen dem Justizministerium und dem Computerkonzern IBM , der von 1969 bis 1982 gedauert habe, ohne den Behörden den gewünschten Erfolg zu bringen.Als Browser wird ein Computerprogramm bezeichnet, das die Darstellung von Text- oder Multimedia-Dokumenten im Internet ermöglicht.Das Betriebssystem hingegen ist die grundlegende Plattform für das Starten von Anwendungsprogrammen auf einem Computer sowie für die Abwicklung von bestimmten Verwaltungsaufgaben wie die Organisation von Dateien auf der Festplatte.Als Marktführer für PC-Software will Microsoft jetzt auch einen Browser in sein Betriebssystem Windows einbinden.Ähnliche Erweiterungen des Betriebssystems hat es schon früher gegeben.

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