Zeitung Heute : Microsoft umgarnt den Mittelstand

KURT SAGATZ

Mit dem Small Business Server lassen sich auch kleinere Firmen komfortabel vernetzenVON KURT SAGATZFür die Gemeinde der Windows-95-Nutzer hat das Warten auf das Nachfolgesystem bald ein Ende.Der Softwaregigant Microsoft hat den weltweiten Verkaufsstart für Windows 98 vor wenigen Tagen auf den 25.Juni terminiert.Wie die deutsche Niederlassung des Unternehmens erklärte, wird auch hierzulande die Auslieferung im zweiten Quartal beginnen, also entweder direkt zum 25.Juni oder wenige Tage später. Technisch gesehen lohnt sich der Umstieg wohl am ehesten für Nutzer, die sich entweder ein komplett neues System gekauft haben oder mit dem Kauf liebäugeln.Auch beim Einsatz diverser Multimedia-Erweiterungen zeigt Windows 98 seine Stärken.Überdies bietet das Nachfolgesystem von Windows 95 erheblich mehr Komfort bei Wartung und Tuning des Systems, so daß beispielsweise größere Festplatten verlustfrei angesprochen werden können. Trotz all dieser Vorteile von Windows 98 und des Vorgängers hatten sich große Teile der Firmenwelt bislang vehement gegen den Sprung vom alten 16-bit-Betriebssystem Windows 3.1/3.11, das im Vergleich zu seinem Nachfolger den Komfort eines VW-Käfers bot, auf das zeitgemäßere System gesperrt.Zu groß schienen die möglichen Probleme, zumal mit dem Systemwechsel auch Investitionen in neue Hardware fällig geworden wären.Die höhere Stabilität von Windows 98 sowie der Umstand, daß die alte Hardware inzwischen abgeschrieben ist, dürfte nun endgültig den Siegeszug des neuen Betriebssystemes auch in der Wirtschaft führen. Hierzu wird zugleich eine andere Entwicklung beitragen: Auch im Bereich der professionellen Betriebssysteme, allen voran bei Windows NT, wird derzeit Abschied von den alten 16bit-Systemen genommen.Vor allem der Mittelstand hat seit Veröffentlichung des letzten Servicepacks für Windows NT hier erheblich nachgerüstet.Wahlweise als reinrassige NT-Netze mit einem NT-Server in der Mitte oder mit Endgeräten, die Windows 95/98 nutzen, hat die Office-Vernetzung eine neue Dimension erreicht.Wo früher in einem kleinen Büro mehrere Rechner als Einzelarbeitsplätze vorzufinden waren, die sich eventuell noch einen Drucker geteilt haben, stehen heute komplexe Netzwerke zum gemeinsamen Nutzen von Dokumenten, Diensten und auch Geräten wie Drucker oder Modems. Die Vorteile des vernetzten Arbeitens mußten bislang zumeist zu einem hohen Preis erkauft werden: Der Betrieb eines Netzwerkes, selbst eines kleinen, erfordert erheblichen Administrationsaufwand.Entweder findet sich ein Mitarbeiter, der diese Tätigkeit neben seinem normalen Job übernimmt, oder der ständige Anruf zum Servicetechniker ist programmiert. Hiermit soll nun Schluß sein.Mit dem Programmpaket Small Business Server 4.0 hat Microsoft erneut eine Marktlücke gefunden.Das Server-Paket, das auf Windows NT basiert, bündelt wichtige Dienste wie Faxen, Drucken, den Internet-Zugang oder auch ein Modempool an zentraler Stelle und stellt sie allen Rechnern im Netz bei Bedarf zur Verfügung.Dies gilt auch für die Daten und die Verwaltung der internen Post per Microsoft Exchange. Das Bestechende an diesem Paket ist über die technischen Eigenschaften hinaus die einfache Installation und Wartung des Gesamtsystems.Diverse Assistenten erledigen in Interaktion mit dem Nutzer die jeweils notwendigen Schritte sowohl beim Aufbau des Servers als auch bei der Integration der Benutzergeräte. Der komfortable Umgang mit dem eigenen Netzwerk hat allerdings auch beim Small Business Server seinen Preis, der bei 2800 DM für die Version mit fünf Client-Lizenzen liegt.Insgesamt verträgt das System bis zu 25 Benutzer, diese Lizenz kostet dann 4000 DM.Hinzu kommen die Kosten für die Anschaffung des Servers, der als Mindestausstattung einen Pentium 166 mit zwei Gigabyte Festplattenplatz und 64 Megabyte Arbeitsspeicher benötigt. Sinnvoll ist die Anschaffung der Hardware allerdings erst nach Kauf des Softwarepaketes, denn Windows NT ist ziemlich sensibel in Bezug auf die eingebauten Teile.Nur bei Komponenten, die in der Hardware-Kompatibilitätsliste stehen, ist ein reibungsloser Betrieb möglich.Und selbst dann kann es noch zu allerhand Kleinarbeit kommen, denn "Plug and Play" kennt Windows NT - noch - nicht.So müssen Sound- oder ISDN-Karten mitunter noch per Hand eingebunden werden.Es empfiehlt sich also, die Erstinstallation weiterhin von einem Netzwerkspezialisten mit NT-Erfahrung durchführen zu lassen.Die spätere Verwaltung kann im Unternehmen selbst organisiert werden.Unterm Strich ist das immer noch preiswerter als der Status quo in den meisten Betrieben. Weitere Informationen unter

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