Zeitung Heute : Mietvertrag fürs BE unter Dach und Fach

Hochhuths Ilse-Holzapfel-Stiftung einigt sich mit dem Land BerlinMit einer "frohen Kunde" trat Berlins Kulturstaatssekretär Lutz von Pufendorf gestern im Rangfoyer des Berliner Ensembles vor die Presse: Die Vertragsverhandlungen zwischen der Ilse-Holzapfel-Stiftung des Schriftstellers Rolf Hochhuth und dem Land Berlin über einen Pachtvertrag hinsichtlich des Theaters am Schiffbauerdamm seien erfolgreich abgeschlossen.Der Vertrag, dessen Zustandekommen bis vor kurzem durch unterschiedliche Vorstellungen über die Höhe der Pachtsumme gefährdet war, ist nunmehr durch die Stiftung unterzeichnet und wird in den nächsten Wochen den parlamentarischen Gremien zur Genehmigung vorgelegt.Die schriftliche Presseerklärung, die der Staatsekretär zusammen mit den Rechtsanwälten Peter Raue als Vertreter des Berliner Senats und Klaus Gebhardt als Vertreter der Ilse-Holzapfel-Stiftung erläuterte, ist, so Pufendorf ausdrücklich, mit Hochhuth abgestimmt. Die Stiftung als Eigentümerin der Immobilie vermietet das Theater am Schiffbauerdamm an das Land Berlin mit einer Laufzeit bis zum 31.Dezember 2012 und räumt dem Land zwei Optionsrechte bis zum Jahr 2027 ein.Der Mietzins beträgt jährlich 360 000 Mark (inklusive Umsatzsteuer) und erhöht sich im Fünf-Jahres-Rhythmus um die Steigerung der Lebenshaltungskosten aller privaten Haushalte, also inflationsgemäß.Das Land Berlin hat die Verpflichtung übernommen, das Gebäude instandzuhalten und erforderliche Renovierungsarbeiten vorzunehmen. Die Ilse-Holzapfel-Stiftung hat nach ihrer Satzung die Aufgabe, Werke der politisch-gesellschaftskritischen Dramatiker des 20.Jahrhunderts, die im Geiste des Autors George Bernard Shaw und des Regisseurs Erwin Piscator schrieben, zur Aufführung zu bringen.Ein Ziel, das auf Grund des Vertrags und auf Wunsch des Stifters Rolf Hochhuth in zweifacher Weise erreicht werden soll: Zum einen kann die Stiftung in den Theaterferien auf eigene Kosten Stücke ihrer Wahl bis zu fünf Wochen lang spielen, wobei die Einnahmen an der Theaterkasse der Stiftung zufließen.Zum anderen hat die Stiftung das Recht, eine Aufführung von Hochhuths Stück "Der Stellvertreter" in der Zeit vom 16.bis zum 18.Oktober an drei aufeinander folgenden Tagen im Theater am Schiffbauerdamm zu zeigen, um damit an den Beginn der Transporte Berliner Juden in die Konzentrationslager (16.Oktober 1943) zu erinnern. Die Presseerklärung Pufendorfs schließt mit dem Satz: "Weitere Einflußmöglichkeiten auf die Spielplangestaltung seitens der Stiftung bestehen nicht." Wie der Staatssekretär hinzufügte, sei damit sichergestellt, daß es zu keinerlei Beeinträchtigung der künstlerischen Eigenständigkeit des Berliner Ensembles kommen könne.Sowohl das BE als auch sein designierter künftiger Intendant Claus Peymann seien, so Pufendorf, "in das Vertragskonstrukt miteingeschlossen".Nun gelte es, die Verhandlungen mit dem Burgtheaterdirektor, der 1999/2000 ans BE wechseln soll, "zielstrebig" zum Abschluß zu bringen.

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