Zeitung Heute : Millionen mit Software

ALEXANDER KÖNIGS

Jörg Grössler, Anteilseigner der Orbit-Software GmbH an der TUVON ALEXANDER KÖNIGS

Wenn jemand Jörg Grössler im Jahre 1971 gesagt hätte, daß Computer einmal zu seinem Leben werden und er mit Software Millionen verdienen würde, hätte er nur ungläubig gelächelt - und sich wieder seinen Lochstreifen zugewandt.Damals hatte der heutige Anteilseigner der Orbit-Software GmbH an der Technischen Universität einen BASIC-Programmierkurs belegt und saß zum ersten Mal in seinem Leben vor einem richtigen Computer.Die Leidenschaft hatte ihn aber schnell gepackt: Auf heute rudimentär anmutenden Computern mit 16 Kilobyte Arbeitsspeicher programmierte Grössler nächtelang Assembler-Programme.Weil er einen Schlüssel zum Institut besaß und nur wenige Studenten sich für Programmierung interessierten, fand er optimale Bedingungen vor."Da ist der Funke zum ersten Mal richtig übergesprungen.Ich glaube, es lag an dem Erfolgserlebnis, wenn man irgendein selbstgeschriebenes Programm zum Laufen brachte."Das war der Sieg über den störrischen Computer." Nach dem Vordiplom kam 1975 der Zufall zu Hilfe.Grössler sprang für einen Kollegen bei einer Computerschulung für den neuen "Hewlett Packard 3000" ein.Bei seiner Rückkehr ins Institut war er der einzige, der den eben eingetroffenen "Monster-Computer" mit 64 kB RAM und einem erweiterten Befehlssatz bedienen konnte."Es gab in dieser Boom-Zeit noch nicht viele Programmierer, vor allem keine, die auch auf Systemebene programmieren konnten." Dieses Können half dann nach dem Diplom 1977 immens beim Start in den Beruf. 1982 entschloß sich Grössler zum großen Schritt: Er machte sich selbständig: mit Computer-Beratung.Der erhoffte Ansturm der Kunden blieb allerdings aus, so daß genügend Zeit blieb, nebenbei Programme zu schreiben, mit denen er auf den Markt kommen wollte.1983, Grössler war mittlerweile in den Staaten gewesen, trat die amerikanische Firma "Tymlabs" mit einem speziellen Software-Wunsch an ihn heran.Nach zehn Tagen war das Programm fertig, Grössler um 10 000 Dollar und eine 25prozentige Umsatzbeteiligung reicher.Dann ging alles sehr schnell: Eine Idee für ein Datensicherungsprogramm (Backup), ein bißchen Arbeit, ein Partner, und 1986 kam seine Firma, die "Orbit Software GmbH", mit dem Programm "Backup 3000" heraus - ein großer Erfolg; die ersten Millionen wurden umgesetzt.Irgendwann machte ihm die Arbeit keinen richtigen Spaß mehr, die Begeisterung für Computer war gebrochen.Programmiermüdigkeit machte sich breit.Grössler zog die Konsequenzen, stieg 1993 aus der Computer-Arbeit aus und widmete sich einem alten Hobby: dem Filmemachen.Seine neue Firma hat bereits mehrere Videos gedreht, über Modelleisenbahnen und -hubschrauber.Nun möchte Grössler einen Dokumentarfilm über das Internet machen und die Entwicklung in der Branche, die er so gut von innen kennt, nun einmal von außen betrachten.

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