Zeitung Heute : Millionenspiele

Gegen den Widerstand der Bundesliga hat der Deutsche Fußball- Bund beschlossen, dass Adidas auch weiterhin die Fußball-Nationalmannschaft ausrüstet. Ist damit der Konkurrent Nike aus dem Spiel, der 500 Millionen Euro geboten hatte?

Christoph Giesen,Robert Ide

Ja. Adidas wird die deutsche Nationalmannschaft nun bis 2018 mit Trikots und Bällen ausrüsten und im Gegenzug mit den Nationalspielern werben dürfen. Dem Weltmarktführer Nike bleiben nur die Schuhe einiger prominenter Spieler wie Miroslav Klose – denn die Schuhwahl steht jedem Nationalspieler frei.

Entgegen der Erwartungen der deutschen Profivereine hat sich das DFB-Präsidium am Freitag für das nachgebesserte Angebot von Adidas entschieden. Statt bisher elf Millionen Euro wird Adidas nach Tagesspiegel-Informationen rund 20 Millionen Euro pro Jahr an den DFB überweisen. Ab 2011 stockt der Konzern aus Herzogenaurach noch einmal auf – auf 25 Millionen Euro jährlich.

Damit bleibt Adidas allerdings weit unter dem Angebot des amerikanischen Rivalen Nike. Anfangs hatte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger noch klar zur Nike-Offerte bekannt und betont: „Tradition kann nicht bedeuten, dass ich auf hundert Millionen Euro zulasten des Verbandes verzichte.“ So argumentiert auch der Ligaverband der Bundesligaklubs, dem 18 Prozent der Vermarktungserlöse des DFB zustehen. Die drei von der Liga entsandten Vertreter stimmten am Freitag gegen die Einigung mit Adidas. Der gerade erst gewählte Ligapräsident Reinhard Rauball sprach von „erheblichen Bedenken“. Neben den geringeren Einnahmen stößt auch die lange Laufzeit des Vertrages bei den Klubs auf Unverständnis.

Nike hatte im Herbst 2006 ein Angebot in einer neuen Dimension auf den Tisch gelegt. 500 Millionen Euro wollte der Konzern für einen Ausrüsterwechsel des DFB zahlen. Obendrein wurden noch ein Handgeld von 50 Millionen Euro sowie 50 Millionen Euro Hilfe für den Frauenfußball versprochen. Zwanziger träumte fortan davon, 1000 neue Bolzplätze zu bauen. Nun hat sich Adidas verpflichtet, das Bolzplatzprojekt zu übernehmen. Deshalb hatten die Landesverbände, die im DFB den Amateursport repräsentieren, auch kein Problem mehr mit Adidas, heißt es aus Verbandskreisen. Ihnen sei nur wichtig, dass überhaupt Geld an der Basis ankommt.

Die Bundesliga sieht den Vergleich zwischen Adidas und dem DFB, den ein Schiedsgericht angeregt hatte, dagegen kritisch. Der unterlegene Konzern Nike, der in dieser Woche mittels Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff noch einmal intern Druck gemacht haben soll, ist ebenfalls enttäuscht. „Damit ist eine große Chance für den deutschen Fußball vertan worden“, sagte Nike-Sprecher Olaf Markhoff. Ob Nike es nach 2018 noch einmal versucht, ließ der Konzern offen. Trotz der Pleite können die Amerikaner immerhin einen kleinen Sieg verbuchen. Mit ihrer Offerte an den DFB haben sie ihren engsten Verfolger Adidas gezwungen, mehr zu zahlen als geplant. Aus der Adidas-Zentrale im fränkischen Herzogenaurach gab es keine Reaktion, am Montag sollen dort die Details des Deals bekannt gegeben werden.

Der neue Vertrag ist Nikes zweite große Niederlage im deutsch-amerikanischen Sponsoringpoker. Im April 2006 hatte Adidas dem US-Konkurrenten eine Niederlage in der Heimat beigebracht und einen langfristigen Ausrüstervertrag mit der Basketballliga NBA abgeschlossen. Doch die nächsten Duelle laufen bereits – auf den Zukunftsmärkten in Asien.

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