Zeitung Heute : Mit allen Mitteln

Wie die Geheimdienste versuchen, den gestürzten Machthaber zu finden

Peter Siebenmorgen

Die US-Administration hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass es keinen vollständigen Sieg geben kann, solange Saddam Hussein der Öffentlichkeit präsentiert werden kann – tot oder lebendig. Die Suche nach dem Diktator ist auch dadurch erschwert, dass offenkundig keine genauen Aufenthaltsorte der vergangenen Tage bekannt sind. Selbst die Fernsehauftritte während des Kriegs, die nach Expertenmeinung wohl eher den echten Saddam und keinen seiner Doppelgänger gezeigt haben, geben keinen Aufschluss über Ort und Zeit der Aufnahmen.

Bei ihrer Jagd nach dem entmachteten Herrscher und dem wichtigsten Stützen seines Regimes und Clans müssen die Amerikaner damit im Grunde wie Zielfahnder vorgehen. Mit der Einnahme der irakischen Hauptstadt haben sich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Suche allerdings entscheidend verbessert. Denn Gefolgsleute, derer man jetzt in Bagdad habhaft werden kann, verfügen möglicherweise über fahndungsrelevante Informationen, die sie zur Rettung der eigenen Haut verraten: Gibt es bislang noch nicht bekannte Verstecke? Wurden Vorkehrungen für eine Flucht – innerhalb des Landes oder ins Ausland – in der Vorkriegszeit getroffen? Wer gehört zum engsten Umfeld und wie ist deren persönliches Beziehungsgeflecht außerhalb des Fixpunktes Saddam ausgestaltet?

Ausgestattet mit solchen Informationen ergeben sich grundsätzlich zwei Ermittlungsansätze. Durch den Einsatz von technischen Mitteln der Nachrichtendienste – insbesondere durch Aufklärung der Telekommunikation – lassen sich möglicherweise Bewegungsprofile und auf der Flucht genutzte Infrastrukturen erkennen.

Systematische Suchaktionen

Durch die nunmehr weitgehend unangefochtene Vorort-Präsenz der amerikanischen Streitkräfte können aber auch systematische Suchaktionen durchgeführt werden. Sollte sich Saddam noch im Irak befinden und wäre sein Aufenthaltsort ermittelt, so könnten die Amerikaner entweder die Erstürmung seiner Behausung, im günstigsten Fall sogar die Festnahme des Diktators durch Spezialkräfte der Armee oder der CIA versuchen. Oder auf der Basis der Ermittlung exakter Koordinaten käme abermals die Luftwaffe mit Präzisionswaffen zum Einsatz.

Schwieriger dürfte es werden, Saddam dingfest zu machen, sollte es ihm gelungen sein, sich ins Ausland abzusetzen. Schon seine Lokalisierung würde gravierende zusätzliche Probleme aufwerfen. Denn im Ausland stünde er wahrscheinlich unter dem Schutz der dort herrschenden Staatsmacht, was seine Abschirmung begünstigte, was aber auch den Einsatz von Spezialkräften fast unmöglich machte. Selbst der Versuch, mit Luftschlägen Saddam in einem fremden Land anzugreifen wäre ausgesprochen heikel. Neben den völkerrechtlichen Aspekten und den fast zwangsläufig folgenden diplomatischen Verwicklungen, die solchen Maßnahmen entgegenstünden, verfügte Saddam und das diesem Unterschlupf gewährende Regime über große Vorwarnzeit. Die Versuche, Osama bin Laden beispielsweise mit Marschflugkörpern auszuschalten, sind hieran mehrfach gescheitert.

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