Zeitung Heute : Mit Bildung mehr Perspektiven

HOLGER SCHLÖSSER

Schenkt man den neuesten Prognosen Glauben, ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Entspannung zu erwarten - 4,2 Millionen Arbeitslose Ende Februar rechnete jedenfalls der DGB diese Woche vor.Im krassen Gegensatz zu dieser Zahl steht der ungebrochene Mangel an Fachkräften in der Informationstechnik-Branche.Experten des Fachverbands Informationstechnik rechnen damit, daß in den Unternehmen etwa 80 000 Stellen unbesetzt sind oder wegen fehlender Arbeitskräfte erst gar nicht entstanden.

Grund genug für die Berliner Senatorin für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen, Gabriele Schöttler, sich der Aus- und Weiterbildung für diese Berufen anzunehmen.Ein erstes Förderprojekt der Senatorin ist das "Skill Improvment Network" (Skin), ein kommerzielles Bildungsangebot der Unternehmen Siemens, Deutsche Telekom, Microsoft, Prokoda und Ditec.Mit Skin sollen Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie selbständige Unternehmensberater zu EDV-Spezialisten ausgebildet werden."Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag, um in Berlin Jobs in diesen zukunftsträchtigen Bereichen zu schaffen", konstatierte die Senatorin anläßlich eines Pressegesprächs am Mittwoch.Um die Ausbildung möglichst vielen Mitarbeitern von Berliner Unternehmen und Selbständigen zu öffnen, übernehmen Senat und der Europäische Sozialfonds 65 Prozent des Kurspreises von 8900 Mark.

Den Teilnehmern des Projekts wird einiges abverlangt.Schließlich müssen sie über sechs Monate lang täglich etwa zwei Stunden für das Studium der Unterrichtsmaterialien aufbringen, neben ihrem eigentlichen Beruf.Dafür bekommen sie nach bestandener Prüfung das international anerkannte Zertifikat des "Microsoft Certified System Engineer" und können sich fortan Experten für EDV-Systeme mit Windows NT und anderen sogenannten BackOffice-Produkten aus der Microsoftfamilie nennen.

Nach dieser Qualifizierung sollen die Mitarbeiter Computer-Netzwerke planen, installieren und warten können - ein Job mit Zukunft, wie die Arbeits- und Bildungs-Senatorin glaubt.Vergleichbare Förderungen des Senats für die Weiterbildung in alternativen Systemen wie Unix oder Linux sind nach Angaben der Senatorin zurzeit nicht geplant.Hier sei die Nachfrage in den Unternehmen noch nicht groß genug.Sollte sich die Situation ändern, könne sie sich die Förderung entsprechender Projekte vorstellen.

Dem Ausbildungsziel entsprechen auch die Lernmethoden von Skin.Bücher gibt es zwar auch, je nach Lernphase greifen die Teilnehmer aber auf interaktive CD-ROMs und das Internet zurück."Durch den Einsatz von Techniken des Telelearning sind die Teilnehmer zeitlich und räumlich flexibel", erklärt der für die Siemens AG zuständige Leiter des Projekts, Guntram Lemke.Bei fachlichen Problemen genügt eine E-Mail an den Trainer oder der Besuch in der eigenen Newsgroup.Hier helfen nach altbewährter Usenet-Manier entweder die anderen Kurteilnehmer oder der Tutor weiter.

Um das Niveau der Kurse zu garantieren, läßt Lemke pro Gruppe nur 12 Teilnehmer zu.Interessierte müssen sich zudem über einen Online-Test qualifizieren, in dem grundlegende EDV- und Englisch-Kenntnisse abgefragt werden.Wer diesen Test besteht und den Kurs bucht, bekommt neben den Schulungsunterlagen und Original-Software auch einen Zugang zum Internet-Server von Skin, auf dem man beispielsweise Tests abrufen kann.

Parallel zum "virtuellen Lernen" gibt es auch Präsenzveranstaltungen, bei denen die angehenden Software-Experten in echter Schulatmosphäre pauken müssen.Doch Angst, bei der abschließenden Prüfung durchzufallen, brauchen die Teilnehmer keine zu haben - wer die Prüfungsgebühren von 180 Mark bezahlt, kann die Tests dreimal wiederholen.

Die nächsten Kurse beginnen am 15.Januar.Weitere Informationen können unter Telefon 0180/5229553 abgerufen werden.Der Test findet sich im Internet unter www.global-learning.de/g-learn/providers/skin .

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