Zeitung Heute : Mit dem Rotsilberpfeil durch die Innenstadt

Auch beim Zweirad setzt die Bahn aufs Mieteinander

Paul Janositz

Sie fallen auf, die Räder im silbernen Design, die an Laternenmasten oder Verkehrsschildern angekettet sind. Ungewohnt auch das DB-Logo. Was hat die Deutsche Bahn mit Fahrrädern zu tun? „Das ist Teil unseres umfassenden Mobilitätskonzepts“, sagt Rolf Lübke, Geschäftsführer Marketing, Vertrieb und Technik bei „DB Rent“. „Die Reisekette soll geschlossen und mobiles Leben erleichtert werden“, betont Lübke. Die Idee wird anscheinend gut angenommem. Viele Zugreisende kombinieren Bahnangebote gern mit anderen Fortbewegungsmitteln.

Da gibt es zunächst das „DB Carsharing“, mit dem Bahnkunden in mittlerweile 18 Städten zu einheitlichen Tarifen Autos mieten können. Doch auch eine noch so gute Logistik kann nicht verhindern, dass Autos im Stau stehen und Parkplätze knapp sind. Da ist man mit dem Rad besser dran. Auf speziellen Wegen oder auf Busspuren, die für Radler erlaubt sind, kann man an stockenden oder schleichenden Autokolonnen vorbeiziehen. Vor dem innerstädtischen Cafébesuch muss nicht erst umständlich nach Parkmöglichkeiten gesucht werden. Und bei Museen oder Theatern lassen sich die Räder leicht anketten.

Doch so gerne sich Besucher zweirädrig durch die City bewegen, so schwierig ist es normalerweise, auf die Schnelle ein Fahrrad zu mieten. Wo sind die Geschäfte, wie kommt man dahin, wann soll man das Leihstück wieder abgeben? Insofern ist es eine zündende Idee, Fahrräder zur Verfügung zu stellen, die überall wieder zurückgegeben werden können. „Call A Bike“, nennt die Bahn das Projekt, das mittlerweile in drei Städten läuft. Vor gut zwei Jahren hat es in München angefangen, dann folgte Berlin im Sommer 2002. Zuletzt kam im Mai dieses Jahres Frankfurt am Main dazu.

Zunächst 1200 „Callbikes“ waren es, die „DB Rent“ auf den Straßen der Hauptstadt verteilte. Mittlerweile ist die Zahl der auffälligen Flitzer auf 2000 angewachsen. Doch wo findet man die großflächig zerstreuten pedalgetriebenen Fortbewegungsmittel? „Sie stehen an Bahnhöfen, an wichtigen, innerstädtischen Straßenkreuzungen oder in speziellen Basisstationen“, sagt Wolfgang Hoelzner, Geschäftsführer von „fahrradstation“.

Die fünf Läden voller Fahrräder und auskunftsbereiter Mitarbeiter finden sich am Bahnhof Friedrichstraße, in den Hackeschen Höfen, an der Bergmann-, August- oder Leipziger Straße. „fahrradstation“ ist als Kooperationspartner der Bahn für den Service am Kunden zuständig. Zunächst muss aber die „Hardware“ technisch tipptopp sein. Als hochwertig bezeichnet „fahrradstation“-Mitarbeiter Stefan Neitzel die vorne und hinten gefederten Gefährte. Die leicht laufenden Räder seien mit einen Nabendynamo ausgestattet, der im Gegensatz zum gewöhnlichen Generator die Fahrt nicht bremse.

Gut für die Sicherheit der Radler ist sicherlich, dass der Halogenscheinwerfer bei Dunkelheit automatisch per Sensor eingeschaltet wird. Neben der Technik muss aber auch die Infrastruktur stimmen: Der Kunde sucht sich etwa an einer Straßenkreuzung ein freies Rad aus, wählt per Handy die auf dem Radschloss angegebene Nummer und bekommt den Öffnungscode angesagt. Diesen muss er nun in das Display des Bordcomputers eintippen, das Schloss entriegeln – und schon kann die Fahrt losgehen. Kunde kann werden, wer mindestens 18 Jahre alt ist, einen Personalausweis vorlegt und eine Bankverbindung oder Kreditkartennummer angibt.

Ein Mal im Monat wird abgerechnet. Zunächst ist allerdings die Registrierung erforderlich. Am schnellsten geht das per Kreditkarte und Mobiltelefon. Telefonisch erhält der Kunde eine Nummer sowie eine Pin, die nur für eine Fahrt gilt. Wer keine Kreditkarte hat, kann in einer Station eine Bankvollmacht ausfüllen.

Fahrten mit den Callbikes kosten im Normaltarif sechs Cent pro Minute, höchstens aber 15 Euro pro Tag. Bahncard-Inhaber bezahlen im Aktivtarif vier Cent pro Minute. Für einmalige 20 Euro können auch Kunden, die keine Bahncard besitzen, zwölf Monate lang diesen günstigen Tarif nutzen.

Derzeit wird die Zahl der silberroten und orangefarbenen Räder der witterungsbedingt nachlassenden Nachfrage angepasst. Am 16. Dezember beginnt die Winterpause. Ab Anfang März 2004 stehen alle Call-Räder wieder zur Verfügung. Die Pause wird zur Inventur genutzt sowie zur technischen Prüfung. Registrierte Bike-Kunden können auch einen besonderen Service nutzen. Im Zeitraum vom 15. Dezember 2003 bis zum 15. März 2004 können sie ein Rad ausleihen. Mit Bahncard kostet das 40 Euro, ansonsten liegt der Preis zehn Euro höher.

Das Angebot scheint attraktiv, jedenfalls waren in den drei Städten die insgesamt 3750 Fahrräder mit durchschnittlich mehr als täglich 1650 Fahrten gut ausgebucht. „Insgesamt haben sich 49 000 Kunden registrieren lassen“, sagt Andreas Knie, bei DB Rent Bereichsleiter „Intermodale Angebote“. In diesem Jahr seien 28 000 neue Kunden dazu gekommen. Die Fahrräder wurden überwiegend für Fahrten im Stadtgebiet genutzt, die durchschnittlich 35 Minuten dauerten. Am Wochenende und bei schönem Wetter verlängerte sich die Fahrtdauer oft auf mehrere Stunden.

Eine besondere Klientel bilden Unternehmen, die sich für den Betriebsausflug etwas Besonderes einfallen lassen. Kleinere Gruppen können bei „fahrradstation“ in den Hackesche Höfen ein ganz ausgefallenes Gefährt mieten, bei dem acht Personen im Kreis sitzen. Dennoch fährt das runde Fahrrad geradeaus. Eine High-Tech-Lenkung von Porsche macht´s möglich.

Telefonische Registrierung bei Call-A-Bike unter: 0700 05 22 55 22 (6 Cent / Minute)

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