Zeitung Heute : Mit "Der Elefant in meinem Bett" zeigt Pro 7 Kinderfernsehen zur Prime-Time

Michael Burucker

"Ihr Mund entthront selbst Julia Roberts. Sie ist die tollste Neuentdeckung des deutschen Kinos". So schwärmte 1998 die Zeitschrift "Cinema" und meinte die Grazer Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz. Zugegeben, auch wir tendieren dazu, Julia Roberts künftig links liegen zu lassen, um mit Wohlwollen der Neu-Mimin zuzuschauen. Sie ist wahrscheinlich das Beste, das dem Film "Der Elefant in meinem Bett" (Pro 7, 20 Uhr 15) passieren konnte, der wohl nur versehentlich ins Abendprogramm gerutscht ist. Die Geschichte um Trompeter Lennards (Peter Lohmeyer) zugelaufenen Elefanten erinnert an tschechische Kinderfilme, in denen Pan Tau Chaos schuf. Das Chaos besorgt hier Kimba, ein Elefantenkind, das in die Wohnung des alleinerziehenden Vaters und Chaoten Lennard einbricht. Eine Schlacht um Kimbas Wohn- und Lennards Erziehungsberechtigung beginnt. Die Crux von Privatsendern wie Pro Sieben ist, dass sie ihre Eigenproduktionen immerzu als Prime-Time-Filme verkaufen. Im öffentlich-rechtlichen System würde ein solcher Film nachmittags oder im Kinderkanal laufen. Was verwundert, ist die TV-Prominenz die sich hinter dieser letztendlich doch belanglosen Elefantendressur versammelt hat. Mark Schlichter, stolzer Besitzer eines "Goldenen Löwen", führt Regie, Michael Bütow, der in die dröge Landschaft der Privat-Sender spannende Produktionen wie "Der Sandmann" einführte, ist Produzent und Florian Ballhaus, dessen Lorbeeren vorerst noch auf dem Namen des Vaters ruhen, ist Kameramann. Sehen aber muss man diesen Film nicht unbedingt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar