Zeitung Heute : MIT DER ROTEN KARTE DEN ÄRGER DER KOLLEGEN EINGEHANDELT: Zidane "bestraft die ganze Mannschaft"

PARIS/LYON .Als Weltstar in spe gefeiert, als "Heißsporn" entlarvt und bei den Mitspielern in Ungnade gefallen: Mit dem folgenschweren Tritt in den Allerwertesten seines Gegenspielers hat sich der mit einer Roten Karte bestrafte Zinedine Zidane neben einer Zwei-Spiele-Sperre auch den Ärger seiner Kollegen eingehandelt.Mitspieler Marcel Desailly rügte das unbeherrschte Verhalten des französischen Mittelfeld-Strategen nachdrücklich, weil dieser schon zum wiederholten Mal seine Nerven nicht im Griff hatte und die "Equipe Tricolore" bei der Weltmeisterschaft unnötig vor große Probleme stellt."Den Rauswurf zu kommentieren, ist eigentlich nicht meine Aufgabe.Aber mit seiner Tat hat er die ganze Mannschaft bestraft", betonte der Abwehrspieler.

Zidanes Sperre sei zwar im letzten Gruppenspiel am Mittwoch in Lyon gegen Dänemark zu verkraften.Aber daß der geniale Spielmacher auch noch im Achtelfinale fehle, für das sich die Franzosen durch Siege über Südafrika (3:0) und Saudi-Arabien (4:0) vorzeitig qualifizierten, "ist ein harter Schlag, dessen Folgen nicht absehbar sind", sagte Desailly weiter.Seine unmißverständliche Kritik ist berechtigt: Publikumsliebling "Zizou" war schon in den letzten Testspielen vor der Weltmeisterschaft gegen Finnland und Marokko am Rande von Feldverweisen gewandelt, da er sich - wie gegen die Saudis durch Fuad Amin - von hart einsteigenden Gegenspielern provozieren ließ.

"Er weiß das und ist derjenige, der am meisten darunter leidet", weiß Desailly.Doch wie der von Zinedine Zidanes Ausfall unverhofft profitierende Robert Pires verkniff er sich die Frage, warum Zidane daraus nicht gelernt und seine Nerven nicht im Griff habe."Ich habe nicht gewagt, zu fragen, weil ich nicht in einer offenen Wunde herumrühren wollte", meinte Pires vielsagend.

Der Mittelfeld-Mann vom Vizemeister FC Metz, der künftig das Trikot von Olympique Marseille tragen wird, spielt in Aime Jacquets Notplan eine führende Rolle."Wir haben nur einen Zidane, also müssen wir seine Aufgaben verteilen", erklärte der Nationalcoach gestern vor dem Abflug nach Lyon.Das Pärchen Youri Djorkaeff und Pires soll sich die Spielmacher-Rolle teilen, wobei Letzterer seine Chance beim Schopf packen will."Ich will im Nationalteam endlich über meinen Schatten springen, um dort frei und unbeschwert aufspielen zu können, wie ich es vom Verein her gewohnt bin", versprach Pires."Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich am WM-Spektakel unbedingt teilnehmen will."

Zinedine Zidane hingegen muß vorerst tatenlos zusehen.Der Frust sitzt tief beim überragenden französischen Akteur der ersten beiden Spiele."Ich werde den Fehler nicht wieder machen und muß ruhiger werden.Alle erwarten sehr viel von mir, vielleicht stehe ich deshalb besonders unter Spannung", glaubt Zinedine Zidane, der auch gegenüber seinen Mitspielern eine Wiedergutmachung gelobte."Ganz sicher: Frankreich erreicht auch ohne mich das Viertelfinale.Dann greifen wir gemeinsam an.Ich habe ein Ziel, den Weltmeisterschafts-Titel, und ich war noch nie so entschlossen."

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