Zeitung Heute : Mit Dieben rechnen

Kurt Sagatz

Bill Gates will die Internetkriminalität bekämpfen. Am heutigen Montag kommt er zum IT-Sicherheitsforum mit Clement nach München. Was müsste passieren, damit Internetkriminalität global bekämpft werden kann?

Seiner Tochter Katharine muss Bill Gates nicht erklären, was ein Computer und was die Aufgabe des Microsoft-Chefentwicklers ist. Wenn sie mit Freunden in E-Mail-Kontakt tritt, wird sie wissen, dass im Netz nicht alles so ist, wie es erscheint. Dass E-Mails nicht nur nervige Spam-Botschaften enthalten, sondern immer öfter eine Form des Betrugs darstellen. Dass Menschen mit gefälschten Identitäten auf Passwortklau aus sind und Kreditkartendaten stehlen. Und dass man seinen Computer schützen muss, damit er nicht ferngesteuert neue Viren verbreitet. Doch damit ist die Achtjährige erheblich weiter als die vielen anderen Computer- und Internetnutzer, die sich allen Warnungen zum Trotz keinen Deut um Sicherheitsbedenken scheren, wie gerade wieder vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationsgesellschaft festgestellt wurde.

Ein einzelnes Unternehmen, und sei es noch so mächtig wie der Microsoft-Konzern, der für mehr als 90 Prozent aller Computer das Betriebssystem produziert, kann das nicht leisten. Bill Gates’ vor zwei Jahren ins Leben gerufene Initiative für den vertrauenswürdigen Umgang mit Computern brachte zwar einige Fortschritte, zugleich nahm die Bedrohung ingesamt jedoch weiter kräftig zu.

Global denken, lokal handeln, ist darum auch der am ehesten erfolgversprechende Weg, die Kriminalität im Internet einzudämmen. Das fängt bei schärferen Gesetzen gegen Spam-Versender an. SPD und Grüne wollen unerwünschte Werbemails künftig mit bis zu 50000 Euro Strafgeld belegen, das Teledienstgesetz soll geändert werden. Weiter nötig sind aktive Sicherheitspartnerschaften zwischen einzelnen Unternehmen, wie sie in der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ vorgesehen sind. „Da sind nicht nur einzelne Konzerne gefragt, sondern unsere gesamte Industrie“, stellt Gates fest.

Für Rivalitäten zwischen Microsoft, Apple und Linux ist dabei kein Platz. Wichtig ist aber auch: Der Staat und seine Institutionen auf Bundes-, Länder- und Regionalebene müssen eingebunden sein. Doch genauso zentral ist eine Medienkompetenz-Erziehung an Schulen und Universitäten, die auch die Schattenseiten der globalen Vernetzung behandelt, technologisch wie wirtschaftlich. Damit sich nicht nur Gates’ Tochter Katharine der Vorteile der Internet-Gesellschaft erfreuen kann.

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