Zeitung Heute : Mit E2 wird der Massenmarkt angepeilt

RAINER BÜCKEN

Das vierte digitale Mobilfunknetz will eine Brücke zum Festnetz der Telekom schlagen VON RAINER BÜCKEN

Obwohl es in Deutschland bereits 6,6 Millionen Mobilfunkteilnehmer gibt, hat der Bundesminister für Post und Telekommunikation am 4.Februar den Zuschlag für ein viertes digitales Mobilfunknetz erteilt.Eigentlich sollte die Frage schon erlaubt sein, ob dies denn unbedingt benötigt wird.Nach D1, D2, E-Plus wird es nun auch noch ein E2 geben.Auch um diese Lizenz wurde heftig gestritten, ehe sie nun an VIAG und British Telecom (BT) ging.Beide Unternehmen nehmen die VIAG Interkom als Basis dieser geschäftlichen Tätigkeiten, an der sich die norwegische Telenor zu 10 Prozent beteiligen wird.Auch die Bayernwerk Netkom soll integriert werden. Der Auftritt von E2 ist ganz gewiß nicht zaghaft: Die Unternehmen haben sich viel vorgenommen, und dabei wird ihnen wohl scharfer Wind von der Konkurrenz um die Nase wehen."Wir wollen ein Netz aufbauen, das für den Massenmarkt konzipiert ist und gleichzeitig eine bessere Sprachqualität ermöglicht", sagte vor kurzem Maximilian Ardelt, Vorstandsmitglied der VIAG Aktiengesellschaft.Etwa sieben Milliarden DM wird das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren investieren und rechnet sich danach einen Jahresumsatz von über zehn Milliarden DM aus.Bereits in fünf Jahren soll der Break-even-Point erreicht sein, nach dessen Eintreten die Einnahmen größer als die Ausgaben sein werden.Bis zu 9000 Arbeitsplätze könnten in den zehn Jahren geschaffen werden, wobei ein Marktanteil von sieben bis acht Prozent am bundesdeutschen Telekommunikationskuchen angestrebt wird. Das alles wird nur mit neuen Dienstleistungen möglich sein.So hat das Unternehmen vor, sowohl Mobilfunk- als auch Festnetzdienstleistungen anzubieten, gewissermaßen ein "One-Stop-Shopping in Sachen Telekommunikation".Für Mobil- und Festnetzanschluß soll es eine Rufnummer und spezielle Tarife geben, sofern von zu Hause mobil telefoniert wird.Hier wird man sich den neuen einprägsamen Slogan vom "HomeCell Tariffing" merken müssen."Damit wird den Leuten das geboten, was sie schon heute haben - einen günstigeren Tarif, wenn sie von zu Hause telefonieren", so Ardelt weiter.Das neue Preisniveau wird nach Ansicht des VIAG-Strategen "den Mobilfunkmarkt explodieren lassen und ihm noch einmal einen entscheidenden Kick in Richtung Massenmarkt geben." Bereits Mitte 1998 soll es einen Metropolitan-Service geben, mit dem in acht Ballungsgebieten ein "problemloses und preiswertes Telefonieren" möglich sein soll, so in Berlin, Hamburg/Lübeck, Hannover, Leipzig/Halle, Rhein/Ruhr, Rhein/Main/Neckar, Nürnberg und München.Damit wären 45 Prozent der Bevölkerung versorgt und etwa 3000 Basisstationen aufgebaut.Schon jetzt wurden 700 Standorte akquiriert."Wir wollen dann vor allem Festnetzkunden der Telekom für uns gewinnen", erklärte Werner Fraas, Geschäftsführer der VIAG Interkom."Dabei müssen die Telefonnummern mitgenommen werden können." Eine flächendeêkende Versorgung dürfte erst nach dem Jahr 2000 erreicht sein, wobei laut E2-Lizenz bis zum 31.Dezember 2001 mindestens 75 Prozent der Bevölkerung versorgt sein müssen.Dann dürften insgesamt 10 000 weitere Mobilfunkstationen eingeschaltet sein. Um schneller ans Ziel zu gelangen, erörtern die Unternehmen auch das "national roaming", also die Nutzung von vorhandenen Netzen."In puncto internationaler Vernetzung macht uns kaum jemand was vor", sagt Fraas zuversichtlich."Wir sind auf dem besten Weg zum Komplettanbieter im deutschen Telekommunikationsmarkt ab 1998." Merkwürdig ist nur, daß bei alledem das Fernsehen noch keine Rolle spielt.

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