Zeitung Heute : Mit Geld und Ideen an die Spree

ULRIKE MEIER

Die "Stiftung für Kunst und Kultur Bonn" plant mit einer Reihe hochkarätiger Veranstaltungen und großem Aufwand in den nächsten Monaten eine kulturpolitische Offensive in BerlinULRIKE MEIERBerlin steht in den nächsten Monaten und Jahren eine kulturpolitische Offensive aus Bonn ins Haus: Ein privater Verein, die "Stiftung für Kunst und Kultur Bonn", macht es möglich.Gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bonn hat die Stiftung die Ausstellung "China!" verwirklicht, die derzeit in Berlin im Haus der Kulturen der Welt zu sehen ist.Angetan von der reibungslosen Zusammenarbeit mit den Berlinern, plant der Verein nach Auskunft von Walter Smerling, geschäftsführender Vorstand des Vereins und einer der Kuratoren der Ausstellung, eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Aktionen an der Spree. Umfangreichstes Projekt ist die Präsentation der Sammlung Grothe in Berlin."Bonn zeigt in Berlin, was es hat, aber selber nicht zeigen kann", ist das Motto hinter dieser Ausstellung, sagt Smerling.Der Sammler Grothe hat inzwischen rund 600 Werke zeitgenössischer Künstler zusammengetragen, von denen nur ein kleiner Teil in Bonn gezeigt werden kann. Als Vorbereitung für die Schau mit dem Arbeitstitel "Grothe im Gropius-Bau", die zur Jahrtausendwende von November 1999 bis Februar 2000 zu sehen sein soll, plant die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie und der Kulturstiftung der Deutschen Bank die Reihe "Berliner Kulturgespräche".Dafür sind laut Smerling Themen wie "Braucht jeder Sammler sein Museum?" oder die Probleme des Kultursponsorings geplant.Ein weiteres Projekt ist die Ausstellung "Macht des Alters", die im September kommenden Jahres im Kronprinzen-Palais zu sehen sein soll.Die Projektgruppe "Asienkunst", in der außer der Stiftung und dem Haus der Kulturen der Welt zum Beispiel auch das Art-Museum Singapur vertreten ist, wird die Ergebnisse ihrer Arbeit zuerst in Berlin und danach in Bonn ausstellen. Die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn besteht seit mehr als zehn Jahren.Von ihren rund 50 Mitgliedern stammen drei aus Berlin.Der Verein versteht sich nicht als Geldbeschaffer für die darbende Kulturlandschaft."Wir wollen die Kartoffeln nicht nur besorgen, sondern auch kochen und essen", beschreibt Smerling die Grundhaltung der Vereinsmitglieder.Sie entwickeln Ideen, für die sie sich anschließend um Geldmittel und Räumlichkeiten bemühen.Bei den Verhandlung in Berlin stieß man auf eine "merkwürdig freundliche und offene Atmosphäre", sagt Smerling. Die Bedeutung der Offensive in Berlin versucht er im Bonn-Berlin Kontext allerdings ebenso herunterzuspielen wie die Oberbürgermeisterin seiner Heimatstadt Bonn, Bärbel Dieckmann.Auch mit anderen Städten kooperiere man, so mit Duisburg und Frankfurt am Main.Der Verein sei einfach von Jahr zu Jahr gewachsen und könne dadurch Projekte auch außerhalb Bonns realisieren, "überall wo es Feedback gibt".Bonns Oberbürgermeisterin gibt sich angesichts der Initiative an der Spree nüchtern: "Es hat eine intensive kulturelle Zusammenarbeit über Jahre und Jahrzehnte zwischen Bonn und Berlin gegeben", sagt sie.Natürlich gebe es Befürchtungen, daß Bonn kulturell an Bedeutung verliert, wenn die Regierung erst umgezogen ist.Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet werde in Zukunft aber ohnehin immer wichtiger werden, nicht nur zwischen Bonn und Berlin, und nicht nur, weil die Kulturszene immer stärker in finanzielle Nöte gerät. Verlassen will die Stiftung das Bonner Pflaster nicht.Mit großem Aufwand plant sie für den Jahreswechsel 1999 / 2000 die Ausstellung "Zeitwenden".Die Austellung besteht aus zwei Teilen.Der erste Teil liefert einen Rückblick auf epochale kulturelle Schnittstellen.Für den zweiten Teil soll eine Expertenkonferenz 99 Künstler aus fünf Kontinenten auswählen, von denen man Visionen für das nächste Jahrtausend erwartet.Das in Klausur tagende Expertengremium besteht aus 33 anerkannte Museumsdirektoren und Ausstellungsmachern aus aller Welt.Dazu gehören unter anderem Jan Hoet, Direktor des Museum van Hedendaagse Kunst und künstlerischer Ausstellungsleiter der dokumenta IX, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Uwe M.Schneede, der Kurator der Biennale 1997 in Lyon, Harald Szeemann, der Rektor der Städelschule Frankfurt, Kasper König, und Bazon Brock, Professor für Ästhetik und Design an der Bergischen Universität Wuppertal.An diesem Freitag wird Bundespräsident Herzog die dreitägige Konferenz auf dem Bonner Petersberg mit einem Empfang eröffnen.Die Ausstellung "Zeitwenden" wird, nach einer ersten Station in Wien, vermutlich auch nach Berlin kommen.

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