Zeitung Heute : Mit Glück und guten Worten

Christoph von Marschall[Washington]

Hurrikan „Rita“ kommt. Sind die USA – ist George W. Bush – dieses Mal besser vorbereitet?

Welch ein Unterschied: Als „Katrina“ New Orleans verwüstete, brach Präsident George W. Bush erst nach drei Tagen seinen Urlaub ab und besichtigte die zerstörte Küste zunächst nur aus der Vogelperspektive beim Flug von Texas nach Washington. Erst am fünften Tag kam er in die betroffenen Gebiete – der politische Schaden war enorm, zumal die Katastrophenschutzbehörde Fema keine adäquate Antwort auf den Notstand fand.

Diesmal reiste Bush bereits am Freitag nach Texas, noch ehe „Rita“ auf Land traf, um die Vorbereitungen zu inspizieren und Mut zuzusprechen. „Wir müssen uns auf das Schlimmste gefasst machen“, riet er allen Anwohnern zur Flucht, versicherte aber auch: „Wir haben die Ressourcen, um den Opfern zu helfen.“

Rettungshubschrauber, Räumgerät, Fallschirmjäger, Armee und Nationalgarde – was immer nach den erwarteten Zerstörungen gebraucht wird, wurde vorbeugend in Alarmbereitschaft versetzt oder in die Region verlegt. „Schande über uns, wenn wir nicht aus ,Katrina‘ gelernt hätten“, sagt Paul McHale, Staatssekretär im Pentagon. „Aber niemand soll glauben, dass wir auf alles eine Antwort haben.“ Probleme gab es bei der Evakuierung des Großraums Houston, obwohl – oder gerade weil – die Bürger der Aufforderung rechtzeitig folgten. Hunderttausende steckten im Stau, obwohl vielerorts die Gegenfahrbahnen für den Fluchtverkehr freigegeben wurden. Vielen gingen Benzin und Getränke nach stundenlangem Stillstand bei Temperaturen um 37 Grad Celsius aus – und zahlreichen Tankstellen der Nachschub. Die Behörden schickten Tanklaster, die Benzin ausgaben. Sogar der texanische Gouverneur Perry zeigte Verständnis für alle, die nach Houston zurückkehrten, weil sie keine Aussicht auf Zuflucht sahen. Aber da hatte „Rita“ den Kurs geändert, Houston lag nicht mehr mitten in der Gefahrenzone. Allerdings war am Freitag einer der Fluchtwege in der Nähe von Dallas blockiert, weil auf dem Highway ein Bus verunglückte.

Die Vorbereitungen sind besser als bei „Katrina“. Wie viel, wird sich nach dem Sturm zeigen. Probleme bleiben, voran die Kommunikation. Armee, Nationalgarde und Rettungsdienste haben kein gemeinsames Funknetz, Telefon- und Stromnetz brechen zusammen. Effektive, koordinierte Hilfe ist in den ersten drei Tagen ein Glücksspiel. Es wird Monate oder Jahre dauern, die strukturellen Fehler in der Katastrophenhilfe zu beheben.

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