Zeitung Heute : Mit Hunden spielen

Lars von Törne

Wie ein West-Berliner die Stadt erleben kann

Vor einigen Jahren hatte ein anonymer Installationskünstler in unserem Viertel die Idee, den auf den Gehwegen am häufigsten zu findenden Rohstoff für seine Arbeit zu nutzen. Eines Tages steckte also in jedem größeren Hundehaufen ein kleines Fähnchen, wie man sie sonst auf Partys in Käsehäppchen spießt. Seitdem habe ich einen anderen Blick auf die Hinterlassenschaften unserer vierbeinigen Mitbewohner und versuche, sie als Teil des Gesamtkunstwerks Berlin zu sehen. Das macht das Elend ein bisschen erträglicher.

Eine ähnlich spielerische Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben der zwei größten Berliner Bewohnergruppen (Menschen: 3,5 Millionen, Hunde: 100 000) pflegen 19 Künstler, deren Arbeiten jetzt als Kartenspiel veröffentlicht wurden. „D.O.G.“ heißt es und funktioniert nach dem Memory-Prinzip. Jeder Künstler hat drei Bilder zum Thema Hund und Halter geschaffen. Ordnet man sie richtig zu, erzählt jede Bildfolge eine Geschichte.

Die meisten handeln von den Auswüchsen der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Der Zeichner Armin Ceric und der Maler Multimoni zum Beispiel haben Hunde und Halter porträtiert, die sich äußerlich einander angeglichen haben. Der Grafiker Marius Herrmann beschäftigt sich mit der Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeiner, die einander im Mondschein anheulen. Und Designer Dirk Berger hat frappierende Parallelen zwischen Hund und Herr beim Gebrauch öffentlicher Grünanlagen als Toilette beobachtet.

Die Initiative zu dem Spiel stammt von einer Gruppe Grafik-Fans, die bereits zwei hübsche Bücher über den Berliner Bären und den Fernsehturm veröffentlicht haben. Während diese etwas für Liebhaber der jeweiligen Themen waren, dürfte „D.O.G.“ Hundehassern besser gefallen als Hundeliebhabern. Es sei denn, Letztere könnten sich an einer Bilderserie wie der von Fotodesignerin Anna Allkämper erfreuen. Darauf macht ein Hund sein Geschäft auf einen Teller, den sich eine Frau schnappt, die lächelnd einen Löffel in der Hand hält. Titel: „Scheißhunger“. Dieser Humor hätte dem anonymen Fähnchenstecker aus meiner Nachbarschaft gefallen.

Memo-Spiel D.O.G., s.wertdesign, 12,50 Euro. ISBN: 3-00-015118-4. Informationen im Internet: www.d-o-g-game.de/www.s-wert-design.de.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben