Zeitung Heute : Mit Katzenkopf im Kühlergrill

Ingo von Dahlern

Als "kleiner" Jaguar betrat er 1999 die Szene - der S-Type, der so klein allerdings nicht ist. Denn mit einer Länge von knapp 4,88 Meter ist er ein respektables Auto. Und längst ist er auch nicht mehr der Kleinste im Programm. Denn diese Position hat inzwischen der X-Type eingenommen. Doch wichtiger als die Größe des S-Type ist die Rolle, die dieses Auto für Jaguar spielt. Denn mit ihm begann eine Neuorientierung der britischen Traditionsmarke, die sich ganz neue Kundenkreise erschließen konnte.

Darunter sind sicher viele, die schon immer von einen Jaguar träumten, aber angesichts der Preise für die großen Modelle schlicht überfordert waren. Und sich nun endlich für einen Jaguar entscheiden konnten andererseits auch Freunde der Marke, denen die großen Modelle aus verschiedensten Gründen zu auffällig waren. Mit einem Jaguar im Format einer E-Klasse ist das kein Problem mehr. Wie auch immer, der S-Type wurde positiv aufgenommen und mit rund 135 000 verkauften Modellen haben sich die Jaguar-Verkaufszahlen binnen zwei Jahren verdoppelt.

Aber bei allem Zuspruch für den S-Type gab es auch die eine oder andere Kritik. Zu den immer wieder zu hörenden negativen Aspekten gehörte dabei der Innenraum dieses Autos. Zwar hält sich Ford als große Mutter, unter deren Dach neben Jaguar inzwischen aus Europa auch Aston Martin und Volvo Zuflucht gefunden haben, bei den Marken strikt im Hintergrund. Aber im Bemühen um eine kostengünstige Entwicklung und Produktion scheint beim S-Type ein wenig mehr Ford ins Interieur gelangt zu sein, als es einem Jaguar gut tun konnte.

Doch das ist bald Vergangenheit. Denn Jaguar hat den S-Type soeben einer gründlichen Modellpflege unterzogen. Und dabei hat das Interieurdesign eine wichtige, wenn auch nicht die entscheidene Rolle gespielt. Auf jeden Fall zeigt sich der S-Type-Innenraum nun in einer Optik, der ausgeprägter britisch und vor allem Jaguar ist. So gibt es ein völlig neu gestaltetes Armaturenbrett und eine ebenso neue Mittelkonsole. Furniere aus Vogelaugenahorn sorgen für eine edle Optik, zu der auch die Instrumente mit Zifferblättern in Racing Green beitragen.

Dieser Rückgriff auf bewährte Elemente war alledings kein Hinderungsgrund, in diesem Auto modernste Technik zu installieren - wie zum Beispiel das Multimedia- und Kommunikationssystem, zu dem auch ein unübersehbarer 178-mm-Touchscreen-Bildschirm gehört, sowie ein DVD-Satelliten-Navigationssystem. Ob Sprachsteuerung für die Audioanlage, das Autotelefon oder die Klimaautomatik, ob Zieleingabe beim Navigationssystem per Postleitzahl oder Bordfernseher - im neuen S-Type sind alle modernen Kommunikationstechniken realisiert.

Hohen Komfort und fortschrittliche Technik vereinen die neuen Sitze mit ihren leichten Magnesiumrahmen und ihrer elektrischen Verstellung. Und erstmals lassen sich nicht nur Sitze und Lenkrad verstellen, sondern nun auch die Pedale. So wird es noch einfacher, künftig sowohl eine sichere als auch eine bequeme Position hinterm Lenkrad des S-Type zu finden, dessen Modellangebot nun in beide Richtungen ausgeweitet wurde. Nach oben durchein neues Spitzenmodell, das sich S-Type R nennt, und nach unten durch einen neuen 2,5-Liter-V6 aus Aluminium mit einer Leistung von 147 kW (200 PS) als neue Basismotorisierung. So kann man künftig für einen Preis von 36 200 Euro beim S-Type einsteigen und bekommt dafür ein edles Auto in der gehobenen Mittelklasse, das mit maximal 228 km/h und 8,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 bereits ausgeprägt sportlich ist.

Die damit verbundne Fahrfreude auf kurvigen Straßen zu genießen hilft das in den meisten Details überarbeitete Fahrwerk mit völlig neuer Vorderachse, die dank vieler Alu-Teile erheblich leichter geworden ist, und der modifizierten Hinterachse. Für den Fall des Falles gibt es nun auch eine Fahrdynamikregelung, die bei Jaguar das Kürzel DSC trägt - es steht für Dynamische Stabilitätskontrolle - und bei allem S-Type-Modellen künftig Serienausstattung ist.

Am anderen Ende der Motorenpalette gibt ein neuer 4,2-Liter sein Debut, der den bisherigen Vierlitermotor ablöst. In der Saugversion bringt er es nun auf 219 kW (298 PS). Kombiniert mit einer ebenfalls neuen Sechsgang-Automatik, die von ZF geliefert wird, wird der 4,2-Liter-V8 zu einem verkappten Hochleistungssportler, der in nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100 spurtet und bei Tempo 250 elektronisch abregelt.

Neues Spitzentriebwerk für den S-Type, der mit diesem Motor zur kräftigsten jemals gebauten Jaguar-Limousine wird, ist allerdings die aufgeladene-Version des 4,2-Liter-V8. Denn mit Kompressor bringt sie es auf eine Leistung von 291 kW (395 PS) und ein höchstes Drehmoment von 541 Nm bei 3500/min. Dieser Motor ist um ein Drittel stärker als der Sauger und macht den S-Type R so flott, dass auch ausgewiesene Hochleistungssportwagen Probleme haben, ihm Paroli zu bieten. Nur 5,6 Sekunden reichen ihm für den Spurt auf Tempo 100 und bei Tempo 250 wird abgeregelt. Mit durchschnittlich 12,5 l/100km ist dieser Hochleistungssportler gemessen an seiner Leistung überraschend sparsam. Mit 66 300 Euro hat so viel Klasse allerdings auch ihren Preis.

Ein verbessertes Adaptives Dämpfersystem (CATS), der Bremsassistent, ein neues Automatikgetriebe, eine erweiterte und verfeinerte Sicherheitsausstattung mit Kopfairbags für alle Insassen sind weitere Verbesserungen beim neuen S-Type, zu dessen äußeren Erkennungszeichen ein kleines Detail gehört - der Jaguar-Kopf ist beim ansonsten unverändertem Vieraugen-Gesicht des S-Type nun nämlich in den Kühlergrill integriert.

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