Zeitung Heute : Mit PC und Schraubenschlüssel

Ingenieure sind gefragt. Doch auch viele Ausbildungsberufe rund um Metall, Elektro und IT machen fit für die Zukunft

Perfekt verkabelt. Ob Mathematisch- technischer Softwareentwickler oder Zerspanungstechniker (links): Wer sich für Technik interessiert, kann zwischen
Perfekt verkabelt. Ob Mathematisch- technischer Softwareentwickler oder Zerspanungstechniker (links): Wer sich für Technik...

Das Gespenst vom Fachkräftemangel geht um. Noch kann man zwar nicht in allen Branchen und allen Bereichen von einer akuten Not sprechen. Aber für die Zukunft zeichnet sich in vielen technischen Berufen eine deutliche Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ab. So fehlen laut einer Erhebung des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) vom Dezember 2010 in Deutschland 49 800 Ingenieure.

DAS STUDIUM:

INGENIEURWISSENSCHAFTEN

„Die Studienanfängerzahlen in den Ingenieurwissenschaften sind zwar erfreulicherweise um 16 Prozent gestiegen. Aber wir gehen davon aus, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren dennoch nicht entspannen wird“, sagt VDI-Direktor Willi Fuchs. Das liege zum einen daran, dass die Ingenieure ersetzt werden müssten, die altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Zum anderem werde der Bedarf an Fachleuten für die Entwicklung neuer Technologien und Produkte steigen.

Vor allem Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure, Elektroingenieure, Architekten und Bauingenieure werden gebraucht. Der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften zieht sich dabei quer durch alle Branchen – vom Automobilbau bis zur Umwelttechnik. „Wir raten Studierenden daher, sich nicht zu früh zu spezialisieren“, sagt Kathrin Sevink, VDI-Studienberaterin. „Wichtig ist, dass die Grundlagen stimmen.“ Gerade zum Ende des Bachelor-Studiums hin ergäben sich interessante Themen. Außerdem seien die Anforderungen im Beruf je nach Unternehmen und Arbeitsbereich hoch spezialisiert und würden am besten an Ort und Stelle vermittelt.

DIE AUSBILDUNGEN:

RUND UM METALL- UND ELEKTRO

Ähnlich sieht es auch in den technischen Ausbildungsberufen aus. Hier werden in den kommenden Jahren vermehrt Nachwuchs- und Fachkräfte gesucht. Gute Chancen also für Azubis, sich mit entsprechenden Qualifikationen zu empfehlen.

„Wir beobachten einen hohen Bedarf in der Metall- und Elektrobranche, aber auch im IT- und Telekommunikationsbereich“, sagt Gerd Woweries, Bereichsleiter Berufsbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. „Dabei sehen es Unternehmen durchaus positiv, wenn ihre potenziellen Auszubildenden technisches Verständnis und erste Erfahrungen im Umgang mit Technik vorweisen können.“ Wer etwa in der IT-Branche arbeiten und Computerspiele entwickeln möchte, sollte sie nicht nur gern spielen, sondern schon kleinere Programme geschrieben haben.

Für leistungsstarke Jugendliche lohne sich daher auch ein duales Studium, sprich eine Kombination aus praktischer Ausbildung und Studium. „Absolventen bekommen eine fundierte Ausbildung im Betrieb und gleichzeitig über das Studium einen akademischen Hintergrund. Damit haben sie vorzügliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, so Woweries. Zielgruppe sind vor allem Abiturienten.

Obwohl in allen technischen Bereichen qualifizierte Fachkräfte Konjunktur haben, sind vor allem Mechatroniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik sowie einige IT-Berufe stark nachgefragt. „Dabei verstecken sich hinter komplizierten Bezeichnungen oft interessante, abwechslungsreiche Berufsbilder“, verrät Woweries. Es sei daher wichtig, Schülern in der Berufsvorbereitung entsprechende Kenntnisse zu vermitteln, so dass sie sich unter Berufen wie Konstruktionsmechaniker oder Produktionstechnologe etwas vorstellen können.

Auch ein weit verbreitetes Vorurteil über die „Mint“-Berufe – die Abkürzung steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – rückt der Mann von der IHK zurecht: Nicht jeder komme ölverschmiert von der Schicht. Vielmehr stünden Computerkenntnisse, technisches Know- how, Kommunikationsvermögen und Teamgeist im Vordergrund. Auch Mädchen sollten sich also für die Branche begeistern lassen (siehe Artikel rechts).

Schülerpraktika und Informationstage wie die „Tage der Berufsausbildung“ oder der „Tag der Technik“, wie sie von der IHK in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verbänden und Schulen veranstaltet werden, helfen bei der Vermittlung der Berufsinhalte.

Daran müsse man nachhaltig arbeiten, meint auch Jörg Matern, zuständig für Berufsbildung und Schulpolitik bei den Unternehmerverbänden Berlin-Brandenburg (UVB). „Ich beobachte immer wieder, dass Azubis in den sogenannten Mint-Berufen hoch motiviert sind, weil sie in Teams und interdisziplinär arbeiten“, sagt er. „In spannenden Projekten lernen sie Probleme zu lösen.“

Ob es sich dabei um eine riesige Gasturbine handele oder ein filigranes Getriebe: „Über diese Art der Projektarbeit erzielen sie einen hohen Lerneffekt und haben auch noch Spaß dabei.“ Und manch einer Auszubildenden wird vielleicht plötzlich klar, wozu sie in der Schule etwas über Koordinatensysteme gelernt hat, wenn sie als angehende Zerspanungsmechanikerin eine Fräse programmiert oder ihrem Team erklärt, wie ein bestimmtes Werkstück hergestellt wird.

DOPPELT QUALIFIZIERT:

MECHATRONIKER

Wer sich verschiedene Berufswege offenhalten will, hat als Mechatroniker die Chance, in ganz unterschiedlichen Branchen und Bereichen zu arbeiten. Als Kombination zwischen Mechaniker und Elektroniker ist dies sozusagen der ideale Beruf für alle, die umfassend an Technik interessiert sind. Denn überall dort, wo Maschinen gewartet, instandgesetzt oder entwickelt werden, sind Mechatroniker – und natürlich Mechatronikerinnen – am Werk.

Als relativ neuer Beruf ist er dann auch gar nicht so geschlechtertypisch besetzt, wie man meinen könnte. Und Unternehmen suchen ganz gezielt nach jungen Frauen. Denn in der Teamarbeit werden verschiedene Sichtweisen, Ideen und Ansätze gebraucht – männliche und weibliche.

ZUKUNFTS-BRANCHE NR. 2:

IT UND KOMMUNIKATION

Auch im IT- und Kommunikationsbereich haben Azubis gute Chancen. Die Bandbreite der Ausbildungsberufe ist vielfältig. Zu denen, die von Arbeitgeberseite stark nachgefragt werden, zählt vor allem der Mathematisch-technische Softwareentwickler, der nicht nur in IT-Unternehmen gebraucht wird, sondern auch bei Banken, Versicherungen und Forschungszentren. Und natürlich überall dort, wo Softwaresysteme konzipiert, realisiert und gewartet werden – etwa für Flugsimulatoren, PC-Spiele oder große Rechenzentren.

Eines sollten Bewerber allerdings wissen: Wie alle in „Mint“-Berufen Tätige sind auch Softwareentwickler auf lebenslanges Lernen angewiesen. Ausgelernt hat man also auch nach der Lehre noch lange nicht. Langweilig wird es dafür aber auch nie.

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