Zeitung Heute : Mit Pfeilen auf Raketen

Das Arrow-System soll feindliche Waffen abfangen

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Sollte Saddam Hussein Israel angreifen, so baut man in Tel Aviv auf die Verlässlichkeit der ArrowRaketen. Zwei Batterien sind einsatzbereit. Die Arrow kann, wovon Amerika seit Ronald Reagans SDI-Programm (Strategic Defense Initiative) träumt: Eine Defensiv-Rakete fängt eine angreifende ballistische Rakete ab – eine Kugel zerstört eine Kugel. Das Arrow-Programm wurde 1986 mit israelischem Geld gestartet; seit 1988 kommen aus Washington SDI-Forschungsgelder hinzu. Der Golfkrieg von 1991 katapultierte das Arrow-Programm an die Spitze der israelischen Dringlichkeitsliste. 1994 erfolgte der erste erfolgreiche Test; seit Oktober 2000 ist die Version Arrow 2 einsatzbereit. Von den letzten zehn Tests verliefen neun erfolgreich.

Anders als die amerikanischen Programme SDI und MD (Missile Defense) konzentriert sich die Arrow darauf, Raketen in der Schlussphase ihres Anflugs zu zerstören. Die feindliche Waffe wäre also bereits über Israel oder unmittelbar vor der Grenze. Da der Zusammenprall der Raketen indes in großer Höhe erfolgt, 50 bis 90 Kilometer, bleibt israelischen Militärs zufolge von Sprengköpfen nichts übrig, was die Bevölkerung gefährden würde. Chemie- oder Biokampfstoffe würden sich monatelang in der oberen Atmosphäre fein verteilen.

Das Arrow-Programm hat rund 2,5 Milliarden Dollar gekostet; Israel bezahlte eine gute und Amerika eine knappe Hälfte. Vor drei Wochen hat Israel mit Boeing einen Vertrag über die Produktion der Systeme geschlossen – der Nachschub soll so garantiert werden. Nur als zweite Linie der Verteidigung und eher gegen Flugzeuge denn gegen Raketen gerichtet betrachtet Israel die Patriot-Raketen, die auch aus Deutschland kommen. rvr

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