Zeitung Heute : Mit "Sprung-Scheibe" zum blonden Emil

HENRY STEINHAU

Das neue Online-Magazin "taste": Zahlen sollen nur Sponsoren, für die Kunden gibt es CD-ROMs gratisVON HENRY STEINHAUBeim nächsten Discobesuch, in der Jeans-Abteilung des Kaufhauses oder vor den Toren des Sportstadions könnte es passieren: Junge Menschen verteilen an junge Menschen CD-ROMs."Music online rom-magazine" könnte darauf stehen, und außerdem in großen, roten Lettern noch "taste", zu deutsch: Geschmack.Eingelegt in den PC erscheint das Hauptmenu: "Music", "Cinema/TV", "Style", "Sport", "Tronic" und "Warehouse".Der Spaß währt allerdings nicht lange, sondern endet mit der Aufforderung, sich zu einer Homepage mit der Adresse www.taste.de zu begeben.Denn eigentlich ist "taste" ein neues Online-Magazin für Jugendliche im World Wide Web.Die Berliner Multimedia-Agentur "Screen Communications" ist Urheber von "taste" und sorgt mit einem rund siebenköpfigen Team für Redaktion und Produktion."Fun before Surfing" formuliert Geschäftsführer Stefan Wolf den Anspruch der CD-ROM.Tatsächlich wird es mitunter kurzweilig, beispielsweise wenn "der blonde Emil" Kabarettistisches von sich gibt.Auch die Vorstellung von außergewöhnlichen Sportarten wie zum Beispiel dem altgriechischen Faust- und Ringkampf "Pankration" oder Interviews mit bekannten Musikern, wie Dr.Alban, verführen zum Weitersurfen.Passend zu den Interviews und als besonderen Clou enthält die CD-ROM Audio-Tracks, die auch per CD-Player abzuspielen sind."Die CD-ROM ist ein Appetizer für "taste" im Internet", betont Stefan Wolf.Im Netz finden sich unter www.taste.de Internet-typische Angebote: regelmäßig aktualisierte Kulturinformationen - Filmbesprechungen, CD-Rezensionen, Computerspiel-Vorstellungen - umfangreiche Datenbanken und ein umfangreiches Archiv an MIDI (Musical Instrument Digital Interface)-Dateien.Die lassen sich herunterladen und mit entsprechender Software zum Musikmachen verwenden.Vor allem die Shopping-Angebote und Gewinnspiele, sind laut "taste"-Chefredakteur Gerd Röcke besonders beliebt beim Publikum.Aufschluß über die Resonanz auf redaktionelle Inhalte - von Öko-Themen bis zur "Modern-Talking-Abkotz-Ecke" - hat er hingegen noch wenig.Das Magazin ist erst seit kurzem im Internet aktiv, nachdem es in den ersten Monaten nur von T-Online-Nutzern zu konsumieren war, dem anfänglichen Hauptsponsor von "taste".In den Gesprächsforen und im Gästebuch ist jedenfalls noch nicht allzuviel nachzulesen.Dennoch ist Geschäftsführer Stefan Wolf mit den Zugriffszahlen zufrieden.Besonders hoch gingen die Werte nach der Verteilung von CD-ROMs oder Flyern, dünnen, postkartengroßen Werbeheftchen.Kein Wunder, denn mit Auflagen von immerhin 400 000 Stück wird die Zielgruppe der 16-35jährigen nahezu flächendeckend penetriert.Die Verteilung an Orten, wo sich Jugendliche treffen und versammeln - die Urheber nennen es den "Point of Joy" - erledigt eine darauf spezialisierte PR-Agentur, die zu 50 Prozent Mitgesellschafter von "Screen Communications" ist.Und tatsächlich beruht auch das in seiner Konsequenz durchaus innovative Konzept von Taste zu 100 Prozent auf Sponsoring, so daß die CD-ROM kostenlos abgegeben und die Web-Homepage ebenso gebührenfrei durchsurft werden kann.Für jede Rubrik steht ein Hauptsponsor ein, dazu kommen weitere Werbepartner.Im Bereich "Tronic" ist es beispielsweise die Consumer Division von Siemens Nixdorf.Deren Marketingleiter, Herr Axel Heim, hofft mit seinem Engagement für "taste" auf neue, junge Kunden.Alle Werbepartner bekommen einen angemessenen Platz als auch grafisch integrierte "Presenter", auf platte Produktwerbung wird verzichtet.Manchmal eignen sich die Werbepartner auch besonders für die "taste"-Promotion, zum Beispiel im Falle des "Music"-Hauptsponsors MTV.Dort werden demnächst die ersten TV-Spots für "taste" laufen - und vermutlich die Zugriffszahlen in die Höhe treiben.

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