Zeitung Heute : Mit Vorwarnung

Behörden und Unternehmen in Berlin haben sich vorbereitet – und wollen Panik vermeiden

Ulrike App

Die Angst vor Terroranschlägen ist da. Nicht nur jüdische und amerikanische Einrichtungen in Deutschland gelten als gefährdet. Szenarien gibt es viele. Unter spezieller Beobachtung steht auch Berlin. „Wir sind für einen Ernstfall vorbereitet“, sagt Norbert Schmidt, Leiter des Referats Zivil- und Katastrophenschutz bei der Senatsverwaltung für Inneres. Es gebe schließlich auch genügend kritische Situationen, die nicht durch Anschläge ausgelöst würden. Und die könnten jederzeit eintreten.

Die einzelnen Bundesländer haben den Katastrophenschutz unterschiedlich geregelt, das Land Berlin hat diese Aufgabe dezentralisiert. So ist zum Beispiel das Umweltressort für Strahlenschutz und Industrieanlagen mit Störfallpotenzial zuständig, während sich die Kollegen aus der Gesundheitsverwaltung um eine mögliche Pockenepidemie und die Patientenversorgung kümmern. Die zentrale Einsatzleitung für das Land Berlin hat im Katastrophenfall aber Innensenator Ehrhart Körting. Stürzen beispielsweise mehrere Häuser ein, zieht der Senator die zuständigen Sachverständigen aus den Behörden sowie Experten von Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und anderen Institutionen hinzu. Doch nicht nur im schnell einberufenen Stab treffen die Helfer aufeinander. Übungen sollen eine reibungslose Zusammenarbeit im Ernstfall ermöglichen. „Als Konsequenz des 11. September haben sich die Übungsintervalle verdichtet“, sagt Schmidt. Berlin habe seit 1999 ein Katastrophenschutzgesetz, damit sei kein unmittelbarer gesetzlicher Handlungsbedarf nach den Anschlägen in New York entstanden. Auf die Probe werden die Krisenmanager wieder im Mai gestellt. Bei einer großen Übung wird das Szenario ein großflächiger Orkan sein. Alle Abläufe werden komplett durchgespielt, so sollen Fehler gefunden werden. „Die Chaos-Phase nach einem Ereignis muss möglichst kurz gehalten werden“, sagt Schmidt. Das wichtigste sei, dass die Kommunikationswege stabil bleiben.

Nicht nur die staatlichen Stellen müssen sich mit möglichen Gefahren auseinander setzen. Das Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin unterhält für die Forschung einen Reaktor. „Wir haben ein gestaffeltes Sicherheitssystem, angefangen mit Zäunen und Kontrollen am Eingang“, sagt Pressesprecher Thomas Robertson. Und: „Wir haben eine Informationspflicht gegenüber den Anwohnern“, sagt Robertson. Der Katastrophenschutzplan des Instituts ist im Internet abrufbar. Bei Pharma- und Chemiekonzernen geben sich die Sicherheitsmanager dagegen wortkarg. „Sicherheit ist, wenn man über Sicherheit nicht spricht“, heißt es. Jörg Brückner, Sprecher der Bayer Industry Services in Leverkusen, verweist auf die gesetzlichen Vorschriften, die für ein Unternehmen wie die Bayer AG, die Information der Bevölkerung anordnen. Ähnlich schweigsam sind die Wasserversorgungsunternehmen. Allein die Berliner Wasserbetriebe müssen rund 7000 Kilometer öffentliches Wassernetz kontrollieren und überwachen.

Panik will jeder vermeiden. Und so wird in Deutschland auch niemand dem US-amerikanischen Weg folgen: Dort wurden die Bürger angehalten, sich mit einem „Katastrophen-Set“ einzudecken. Das soll unter anderem ein Handy, ein Radio, eine Taschenlampe und einen Schutzhelm enthalten.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar