Zeitung Heute : Mitschüler gesucht

Katrin Hagedorn

Es soll ja vorkommen, dass Jahre nach dem Schulabschluss das Verlangen entsteht, die Klassenkameraden wiederzusehen. Doch die Suche nach ehemaligen Mitschülern kann zur Qual werden: Halb zerfallene Adressbücher und kaum lesbare Telefonnummern erschweren die Kontaktaufnahme. Oft enden Klassentreffen deshalb in einer kleinen Viererrunde. Um ehemalige Weggefährten nicht völlig aus den Augen zu verlieren, bietet sich ein Blick auf Suchbörsen im Internet an. Die Benutzung dieser Datenbanken funktioniert nach einem einfachen Schema: Man meldet sich kostenlos auf der jeweiligen Website an, gibt seinen Namen, die ehemalige Schule und seine E-Mail-Adresse ein. Die Daten stehen dann im Netz und können von anderen, die angemeldet sind, abgerufen werden. Wie mit den Informationen umgegangen wird, legen die Anwender von passado.de selbst fest: "Alle Mitglieder bestimmen selbst, ob nur der eigene Jahrgang oder alle Nutzer die Einträge lesen können", erklärt Michael Pütz, Mitbegründer von passado.de in Troisdorf bei Bonn.

Auf der Seite schueler-mails.de wird lediglich geprüft, ob die angegebene E-Mail- Adresse richtig ist, erklärt Benedikt Spellmeyer, Gründer von schueler-mails.de in Neuenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Ansonsten können in die Datenbank gestellte Informationen von jedem abgerufen werden. "Damit wollen wir eine schulübergreifende Suche ermöglichen", so Spellmeyer.

Wer über die Seite www.unicum.de/abiclub ehemalige Mitschüler sucht, muss sich erst anmelden, bevor er die Datenbank durchsuchen kann. "Jeder Eingetragene bekommt nur die Informationen zu sehen, die er auch selbst angegeben hat", betont Manfred Baldschus, der Geschäftsführer des Unicum-Verlags in Bochum. Es müssten jedoch bestimmte Pflichtfelder ausgefüllt werden, da sonst kein Austausch möglich sei.

Der Bedarf, ehemalige Mitschüler über das Internet zu suchen, ist offenbar groß. Unicum ist mit seiner Datenbank seit September letzten Jahres im Netz und kann nach eigenen Angaben über 400 registrierte Schulen verzeichnen. Bei passado.de sind schon weit über 2000 Namen in der Ehemaligen-Datenbank. Doch allzu Erfolg versprechend scheint die Suche nach ehemaligen Mitschülern über das Internet noch nicht zu sein: Jesko Jachens hat sich schon vor längerer Zeit in die Datenbank eingetragen. "Meine Hoffnungen wurden bisher leider nicht erfüllt, da viele Schüler wohl keine Daten ins Internet stellen wollen", sagt der Abiturient des Wellingdorf Gymnasiums in Kiel, Jahrgang 1997. Auch Christian Grunow aus Bremen, Abitur-Jahrgang 1988, hat sich in einer Datenbank angemeldet. Bisher ist noch kein weiterer Schüler seiner ehemaligen Schule in Lübeck registriert. "Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass diese Internetseiten eine große Zukunft haben", erklärt er.

Michael Pütz von passado.de hofft noch auf eine größere Resonanz. Um das Interesse der Schüler zu wecken, bietet passado.de deshalb allen Schulen an, individuelle Jahrgangslisten in die Website der jeweiligen Schule einzubauen. Bei unicum.de können sich auch Schulleiter einen eigenen Zugang einrichten, mit dem sie einen Zugriff auf sämtliche Schüler ihrer Schule bekommen, die sich bereits registriert haben.

Benedikt Spellmeyer von schueler-mails.de möchte mit seiner Datenbank die Erinnerung an die Schule aufrechterhalten. "Wir wollen ein positives Gefühl rund um die Schule vermitteln", so Spellmeyer. Neben der Suche nach Ehemaligen werden auch Ferientermine, Tipps für Referate und Links rund um das Thema Schule angeboten. Und wenn ein Klassentreffen ansteht, werden die registrierten Ehemaligen per E-Mail informiert.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben