Zeitung Heute : Mobilität rechnet sich

Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung bezieht, profitiert von erheblichen Steuervorteilen

Jutta Burmeister

Als das Angebot kam, für ihren Arbeitgeber in Süddeutschland als Pressesprecherin zu arbeiten, sagte Franziska Bruhns sofort zu: Schon lange hatte sie nach einem neuen Job gesucht. Ihre Wohnung in Berlin behielt sie. Denn die 42-Jährige ist zwar geschieden, teilt die Wohnung aber mit ihrer pflegebedürftigen Mutter und fährt deshalb jedes Wochenende nach Berlin. Auch Peter Grabow wurde von seiner Firma nach Süddeutschland geschickt. In der Nähe von München arbeitet der Tiefbau-Ingenieur jetzt von Montag bis Freitag, das Wochenende verbringt er bei seiner Familie in Berlin.

Die Fahrten zwischen Süddeutschland und Berlin kosten Franziska Bruhns und Peter Grabow zwar Zeit, dafür profitieren die beiden aber von erheblichen Steuervorteilen. Weil sie aus beruflichen Gründen ein „Doppelleben“ führen, können sie sowohl die Miete für die Zweitwohnung als auch die Kosten der Heimfahrten als Werbungskosten (Paragraf 9 Absatz 5 Einkommenssteuergesetz) von der Steuer absetzen – und zwar unbefristet. So lassen sich, je nach Verdienst, bis zu mehreren Tausend Euro Steuern jährlich sparen.

Damit das Finanzamt die doppelte Haushaltsführung anerkennt, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Der Arbeitnehmer muss für mindestens drei Monate versetzt, die Gemeindegrenze überschritten und am Erstwohnsitz einen eigenen Hausstand beibehalten und „mit Leben erfüllen“, erläutert Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Bei verheirateten Arbeitnehmern ist diese Voraussetzung immer dann erfüllt, wenn die Familie am Erstwohnsitz bleibt. Das Gleiche gilt bei Unverheirateten, die mit ihrem Lebenspartner und einem gemeinsamen Kind wohnen, hat das Niedersächsische Finanzgericht entschieden (AZ 11K579/00). Pech haben all jene, die – trotz bestehender Ehe – mit neuem Partner in die Zweitwohnung ziehen. Für sie entfällt der Steuervorteil. Die vom Arbeitgeber steuerfrei bezogenen Unterbringungs-, Fahrt- oder Verpflegungsleistungen kann der Fiskus sogar nachträglich als Arbeitslohn besteuern.

Dagegen können Alleinstehende die doppelte Haushaltsführung geltend machen, sofern die alte Wohnung weiterhin ihr Lebensmittelpunkt bleibt – Franziska Bruhns etwa, weil sie mit pflegebedürftigen Eltern zusammenlebt. Alleinstehende können außerdem die zweite Wohnung absetzen, wenn die „Abordnung“ an den neuen Dienstort nur befristet ist.

Im Einzelnen kann der Arbeitnehmer die Miete für die Zweitwohnung oder Hotelkosten abschreiben, die Kosten für die erste Anreise und die Rückreise nach Beendigung der Tätigkeit sowie ein Mal wöchentlich Kosten für Heimfahrten. Dabei ist eine Entfernungspauschale von 30 Cent je Kilometer anzusetzen. Für die ersten drei Monate kann er darüber hinaus einen Mehraufwand für Verpflegung geltend machen. Alle Aufwendungen müssen durch Quittungen belegt werden. „Nur für tatsächliche Fahrten gibt es die Kilometerpauschale“, gibt Wawro zu bedenken. Dies müsse durch Bahn- oder Flugticket, Tankbelege oder ein Fahrtenbuch nachgewiesen werden. „Am günstigsten ist es für den Arbeitnehmer natürlich, wenn die Firma für den Aufwand aufkommt“, sagt Wawro. Diese steuerfreie Sonderleistungen müssen von den Werbungskosten abgezogen werden. Zahlt der Arbeitgeber dagegen einen Zuschlag zum Bruttolohn, wird dieser versteuert.

Wer die Bedingungen für den Werbungskostenabzug erfüllt, sollte sich auf der Lohnsteuerkarte einen Freibetrag eintragen lassen. Dann sind bereits im laufenden Jahr weniger Steuern fällig. Der Arbeitnehmer kann zudem selbst entscheiden, ob er die tatsächlichen Fahrtkosten an Stelle der doppelten Haushaltsführung abrechnet. Das lohnt sich zum Beispiel für Vielfahrer oder bei einer geringen Miete für die Zweitwohnung. Grundsätzlich kann jeder die doppelte Haushaltsführung ansetzen, der die Gemeindegrenzen überschreitet – also auch ein Berliner, der in Potsdam arbeitet. „Dies würde man aber wohl kaum machen“, so Wawro. „Es sei denn, die Arbeitszeiten sind so ungünstig, dass man nachts keine S-Bahn nach Berlin mehr bekommt.“

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