Zeitung Heute : Modefans bescheren der Stadt Millionen

Für Berlin sind die internationalen Messen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Nicht nur die Tourismusbranche profitiert

 Cay Dobberke

In der Berliner Wirtschaft gilt die Kreativwirtschaft, zu der die Modebranche gehört, als eines der wichtigsten Zukunftsfelder. Deshalb waren die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner und die Tourismuswerber von Visit Berlin maßgeblich an der Rückkehr der Bread & Butter vor zwei Jahren beteiligt. Im vorigen Sommer kamen rund 200 000 Besucher aus dem In- und Ausland während der Modewoche in die Hauptstadt, und allein für die jetzt stattfindende Bread & Butter wurden mehr als 90 000 Tickets ausgestellt. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) schätzt, dass Berlin so „pro Jahr rund 140 bis 180 Millionen Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung“ gewinnt. Der Umsatz verteile sich vor allem auf Hotels und Restaurants, Taxigewerbe, Handel und Dienstleister. Damit setze die Modeszene „auch im Vergleich mit anderen Leuchtturmveranstaltungen Maßstäbe“: Die Berlinale zum Beispiel brächte einen jährlichen Umsatz von rund 30 Millionen Euro.

Berlin habe „den roten Teppich für die Mode ausgerollt“ und sich im Laufe der vorigen drei bis vier Jahre „mit London, Mailand und Paris als internationale Modestadt etabliert – vor allen anderen deutschen Städten“, bilanziert René Gurka, Geschäftsführer von Berlin Partner.

Die Hotellerie zeigt sich hoch zufrieden: „Gerade im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich ist die Modewoche ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes, Thomas Lengfelder. Nicht zu unterschätzen sei die „internationale Werbung für die Stadt“, die neben dem Fachpublikum viele weitere Reisende anlocke. Während der Bread & Butter sind zahlreiche Häuser so voll wie selten. So hatte das Hotel Steigenberger am Los-Angeles-Platz in Charlottenburg bereits gegen Ende voriger Woche nur noch acht freie Zimmer für den Messeauftakt am Mittwoch. Am Donnerstag und Freitag werden alle knapp 400 Zimmer des Fünf-Sterne-Hauses belegt sein. „Wir sind fast komplett ausgebucht“, hieß es auch aus dem Luxushotel Marriot am Potsdamer Platz. Im Hotel Palace an der Budapester Straße gab es zuletzt noch fünf freie Zimmer für einen der Messetage, und im Adlon am Pariser Platz liegt die Belegung an den drei Tagen zwischen 95 und 104 Prozent – das Luxushotel ist sogar überbucht und setzt darauf, dass nicht alle Reservierungen in Anspruch genommen werden. Berlins größtes Hotel, das Estrel in Neukölln, meldet 800 Übernachtungen von Fachbesuchern – darunter viele Aussteller und Messebauer. Einige Gäste seien auf das Vier-Sterne-Haus an der Sonnenallee ausgewichen, weil sie in der Innenstadt nicht mehr fündig geworden seien, sagte Sprecherin Miranda Meier.

Eine Umsatzstatistik des Einzelhandels gibt es nicht. Aber vor allem „markenaffine Häuser“ ließen sich „die Gelegenheit nicht entgehen, Hochwertiges zu zeigen, während der Textilverkauf andernorts in Richtung des Schlussverkaufs ab Montag geht“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Events planen etwa der Diesel Store an der Neuen Schönhauser Allee, Adidas und Converse in der Münzstraße, das Quartier 206 in der Friedrichstraße und kleinere Szeneläden – vor allem an der Torstraße. Das KaDeWe präsentiert im Foyer und in den Schaufenstern bis Ende Februar unter dem Motto „The Early Bird Catches the Fashion Worm“ die Sommerkollektionen von Pepe Jeans, Fornarina, 7 for all Mankind und Diesel. Während der Messen gebe es immer einen „deutlichen Zuwachs“ an internationaler Kundschaft, freut sich Warenhaussprecherin Petra Fladenhofer. Auch das Clubleben wird geprägt von der Modewelt. Zu Partys in der Hafenbar und im Weekend haben allerdings nur geladene Gäste Zutritt. Öffentlich ist unter anderem die „Fashion Rock Night“ im Kesselhaus der Kulturbrauerei. Und da nicht alle Besucher der über die Stadt verteilten Veranstaltungsorte gerne öffentliche Verkehrsmittel nutzen, ist die Modewoche für den Taxi-Verband „wie Ostern und Weihnachten an einem Tag“. Selbst die rund 7000 Berliner Taxen reichen erfahrungsgemäß nicht aus, um alle Gäste an den gewünschten Ort zu bringen.

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