MODEGESICHTER : Stricken statt rauchen

Alles andere als altbacken: Die Marke "Wool and the Gang" verbindet Nadelarbeit und Rock'n'Roll.

Romy Uebel
Aurelie Popper lässt stricken.
Aurelie Popper lässt stricken.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ein wichtiges Stück der neuen „Wool and the Gang“-Kollektion liegt im New Yorker Atelier. Was für andere Aussteller der Bread & Butter eine Katastrophe wäre, ist für Aurelie Popper ein leicht zu lösendes Problem. Die Designerin strickt den violett-weiß-schwarzen Schal einfach noch mal. „Bis zum Mittag sollte er fertig sein“, erklärt sie. Drei Stunden verbringt die blonde Schweizerin mittlerweile mit Nadeln und Garn, besonders ihre Großmutter ist darüber erstaunt. „Sie wollte mir als Kind das Stricken beibringen, ich fand es einfach nur langweilig.“

Während ihre Studiums am renommierten Central St. Martins College in London entdeckte sie die Vielseitigkeit des Handwerks: filzen, weben, selber färben, Muster am Computer erstellen, fertige Outfits kreieren. „Damals war Strick recht unpopulär, alle machten schrille Muster und waren erstaunt, dass ich mich auf Wolle spezialisierte.“ 2008 gründete sie gemeinsam mit Freunden das Stricklabel Wool and the Gang. Modern und „Rock’n’Roll“ sollten die Entwürfe sein, besonderer Clou: neben fertigen Kleidungsstücken gibt es auch Stricksets zum Selbermachen.

In den schick gestalteten Tüten befindet sich ein leicht verständliches Muster des gewünschten Stücks, genau die richtige Menge Wolle in angesagten Farben und passende Nadeln – einfacher geht es kaum. „Stricken ist Lifestyle und dabei unglaublich entspannend. In New York gibt es mittlerweile sehr erfolgreiche Strickparties, wir kennen Leute, die dadurch mit dem Rauchen aufgehört haben, einfach, weil die Hände etwas zu tun haben.“ Die Entwürfe der 27-jährigen Designerin sind stark von ihrer Schweizer Heimat inspiriert, reduzierte Silhouetten, alpine Zopfmuster und simple Farbkombinationen erinnern an Skifilme der 1970er Jahre. Während sich ältere Semester damals mit rutschigen Plastiknadeln und feinen Garnen plagten, gibt es bei Wool and the Gang dicke Knäuel peruanischer Wolle und überdimensionale Rosenholznadeln.

Passend zur schnelllebigeren Zeit geht es um den raschen Effekt, stattliche 100 Euro kostet das Set für einen schlichten Schal zum Selbermachen – ein neuer Lifestyle eben.

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