Zeitung Heute : Modernisierung: Brückenbau am Pfefferberg

Harald Olkus

Nach der Kulturbrauerei und dem Viktoria Quartier wird nun auch der dritte große Brauereistandort in Berlin einer umfassenden Modernisierung unterzogen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Projekten sind es auf dem Pfefferberg aber die Nutzer selbst, die das Sanierungskonzept entwickelt haben. Bis 2003 sollen die insgesamt 21 Gebäude auf der 13 500 Quadratmeter großen Grundstücksfläche zwischen Schönhauser Allee und Christinenstraße technisch auf den neuesten Stand gebracht und durch Neubauten ergänzt werden. Das äußere Erscheinungsbild des ehemaligen Brauereigeländes soll sich allerdings kaum verändern. "Wir werden die Fassaden im notwendigen Umfang sanieren und dabei die einmalige Atmosphäre und die Spuren der Zeit bewahren", sagt der Architekt und Mitgesellschafter der Pfefferberg Entwicklungs-GmbH und Co. KG, Klaus D. Krebs. Kriegsschäden, die mit andersfarbigen Ziegelsteinen ausgebessert wurden, nachträglich vergrößerte Fenster und verwitterter Putz sollen auch weiterhin sichtbare Zeichen der wechselhaften Geschichte des Ortes sein.

1841 vom bayrischen Braumeister Pfeffer als erste Brauerei am Prenzlauer Berg errichtet, wurde das Gelände während der folgenden Jahrzehnte ständig um- und ausgebaut. Die Besitzer wechselten und Schultheiss legte den Pfefferberg nach dem Kauf im Jahr 1919 als Brauerei still. 1921 wurde das Areal zur Schokoladenfabrik umfunktioniert, ab 1950 diente es schließlich als Druckerei für das Neue Deutschland.

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Die Gebäude stammen deshalb aus unterschiedlichen Epochen, wurden zu ganz verschiedenen Zwecken errichtet und mehrfach umgebaut. Diese disparaten Elemente sollen mit einem so genannten "Highdeck" verbunden werden, erklärt Architekt Krebs, der den neuen Pfefferberg in Zusammenarbeit mit dem Beiruter Architekten Bernard el Khoury plante. Eine schwarz lackierte Brücke aus Stahl soll sich in sechs Metern Höhe durch das Objekt ziehen und als eine Art Klammer für die Gebäude dienen. Zur Schönhauser Allee hin erinnert der Aufbau an die Brücke eines Schiffs. In der Mitte des Geländes soll das "Highdeck" als Dachgarten mit Bar ausgestaltet sein, in anderen Teilen dient es als Erschließung der oberen Etagen. Als weitere Neubauten sind eine Kindertagesstätte im Nordhof geplant, der entsiegelt und begrünt werden soll, sowie ein Hotelgebäude an der Christinenstraße.

Dem Konzept liegt das Bestreben nach einer weitgehenden Nutzungsmischung aus Kunst, Kultur und Dienstleistung zugrunde. Damit konnten zum einen die verschiedenen sozialen und kulturellen Projekte der Stiftung Pfefferwerk, wie auch die bisherigen Mieter berücksichtigt und eingebunden werden. Der Verbund Pfefferwerk hatte das ehemalige Brauereigelände 1999 gekauft und die Stiftung Pfefferwerk eingebracht. Zum Verbund gehören rund 250 Beschäftigte, die Jugendliche und Erwachsene in überwiegend öffentlich geförderten Maßnahmen aus- und weiterbilden.

Den flächenmäßigen Löwenanteil sollen künftig Loftbüros einnehmen. Sie werden rund die Hälfte der insgesamt 22 800 Quadratmeter Geschossfläche ausmachen. Neben dem Pfefferwerk-Verbund sollen in die neuen Büroflächen hauptsächlich etablierte Unternehmen und Existenzgründer aus den Bereichen Informationstechnologie und Neue Medien einziehen. Die ersten Räume sollen bereits im September bezugsfertig sein und zwischen 20 und 27 Mark pro Quadratmeter Miete kosten.

Ein zweiter Schwerpunkt am Pfefferberg ist die Kunst. Bereits im November zieht die international renommierte Galerie "Ikeda" in ein ehemaliges Maschinenhaus der Brauerei. Zusammen mit einer bereits ansässigen Galerie und einem Bildhauer wird die Kunst- und Ausstellungsfläche dann rund 1500 Quadratmeter betragen.

Rund um den Biergarten sind Gastronomie- und Veranstaltungsräume vorgesehen. Dafür soll der Konzertsaal renoviert und die bisherige Ruine gegenüber dem Restaurant ausgebaut werden. Als letzter Bauabschnitt entsteht an der Christinenstraße ein Drei-Sterne-Hotel mit 74 Zimmern. Es soll ein reines Übernachtungshotel werden. Die Gäste sollen aber das gesamte Angebot des Pfefferbergs von Kultur über Konferenzräume bis zur Kinderbetreuung nutzen können.

Tonnengewölbe im Untergrund

Eine "besondere Herausforderung" für die Entwicklungsgesellschaft stellen noch die Gärkeller dar. Der gesamte Südhof der ehemaligen Brauerei ist mit einem System aus bis zu zehn Meter hohen Tonnengewölben unterzogen. Der Sanierungsaufwand dieser 2800 Quadratmeter großen Kellerflächen, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker und zu DDR-Zeiten von der Volkspolizei als Schießstand und Kino genutzt wurden, könne nur durch einen entsprechend großen Mieter refinanziert werden. Ein internationaler Betreiber von Musikclubs sei interessiert an den Kellern, sagt Krebs. Doch bislang will das Bezirksamt Prenzlauer Berg keinen weiteren Veranstaltungsort dieser Größe in der Brauerei genehmigen. Die Verhandlungen laufen.

Die Baukosten von rund 60 Millionen Mark sollen durch den Beitritt weiterer Kommanditisten zur Pfefferberg Entwicklungs-GmbH und Co. KG aufgebracht werden. Durch den Betrieb und die Mieteinnahmen könnten die Mitinhaber nach Abschluss der Bauarbeiten mit einer Rendite von sieben Prozent rechnen, deren Auszahlung zehn Jahre lang steuerfrei sei, sagt Pfefferberg-Finanzberater Heinrich Vierhaus. Die Mindesteinlage für die künftigen Kommanditisten beträgt 10 000 Euro.

Sehr vorteilhaft fände man es, wenn sich auch die Mieter der Büro- und Veranstaltungsflächen als Teilhaber einbringen würden. Das führe zu mehr Identifikation mit dem Areal und hätte außerdem noch mehr Mitsprachemöglichkeiten zur Folge. Auf dem Pfefferberg ist man überzeugt, ein stimmiges Konzept für die Umnutzung einer alten Brauerei entwickelt zu haben, das dem Charakter und den Möglichkeiten, die ein solcher Industriestandort bietet, gerecht wird. Die Planung dafür ist gemacht. Jetzt muss sie sich nur noch beweisen.

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