Monarchie : Jugend wünscht König

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Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt, ich werde wachen, wenn du schläfst, ich beschütze dich gegen den Sturm, ich bewahre dich in Sicherheit, solange ich lebe.“ Wer will so einen Schmus haben? Jeder Fünfte in Deutschland. Die stark pathetischen Zeilen sind dem Königslied entnommen, das am 30. April zur Uraufführung gelangt anlässlich der Inthronisation von Willem-Alexander in den Niederlanden. Man mag sich nicht vorstellen, wer bei uns ein solches Königslied komponieren würde, Rio Reiser, der es könnte, würde es mit Sicherheit nicht sein. Und was der alles ankündigte, „wenn ich König von Deutschland wär“, würde ohnehin niemals umgesetzt werden. Keine Ahnung, warum so viele Deutsche sich die Monarchie zurückwünschen, bei den Menschen zwischen 18 und 24 Jahren ist es sogar ein Drittel. Wo wir doch eigentlich mit unserem Adel ziemlich geschlagen sind: Erwähnt seien in diesem Zusammenhang nur die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der Prinz Ernst August von Hannover, Ferfried von Hohenzollern und ein vormaliger Verteidigungsminister.

Ob es windet oder regnet, die will man doch nicht zur Seite haben, erst recht nicht am Bett stehen wissen, wenn man schläft, und was den Sturm angeht, vor dem so ein König laut Königslied zu schützen vorgibt, dem kann man doch schon selber trotzen. Wird im Übrigen, das am Rande, bald nötig sein. Dann nämlich, in der kommenden Woche, beginnt der Mittfünfziger, beginne also ich, meine Umwanderung Deutschlands. Zwei Monate unterwegs, ein Großteil zu Fuß, den Rest auch mal mit Regionalzügen oder Schiffen, mit Rucksack, an den Grenzen entlang, und zwar außen, mit Blick von draußen und dem unserer neun Nachbarn, der Polen, Tschechen, Österreicher, Schweizer, Franzosen, Luxemburger, Belgier, Niederländer und Dänen und natürlich mit Block und Stift und Laptop, um darüber hier und auf Tagesspiegel Online zu berichten. Es ist noch offen, ob das die Sicht auf die Monarchie entscheidend verändern wird, wegen der Nachbarmonarchen zum Beispiel in Luxemburg, Belgien, Holland und Dänemark. Aber eigentlich ist das unwahrscheinlich, es sei denn, die Herrschaften laufen ein Stück für mich, derweil ich in der Sänfte getragen werde und anschließend am Königstisch tafeln kann. Für Regen und Wind und Schlafaufsicht brauche ich keinen König. Das Lied, so das holländische Volk, soll schrecklich sein.Helmut Schümann

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