Zeitung Heute : Mond über Pankow

MANUEL BRUG

Drunter, drüber und drauf: Georgette Dee singt Brecht in der BjVMANUEL BRUGDie Tunte wird zur Tante, wo Trümmer waren, mach sich Madamigkeit breit.Doch solche Gesetzheit, wenn man in die Jahre kommt, steht Georgette Dee nicht schlecht.Zumal auch die Haare irgendwie anders sind.Ein wenig wie Tony Curtis alias Josephine sieht sie aus.Oder wie der alte Clown Judy Garland.Schön, gelassen, huldvoll über den Dingen schwebend.Deshalb noch ein Griff zum Klassiker, dem hundertjährigen, der sich nicht wehren kann.Brecht drüber, drunter und drauf: "Na also, good bye!" Das geht beiläufig los, endet vor der Pause in einem wilden Massaker mit Torte und geht als kleines Wodka-Besäufnis sehr melancholisch zu Ende.Die Drogistentochter aus Koberg und der Fabrikantensohn aus Augsburg kommen wunderbar miteinander klar, als klavierspielender Dritter schiebt sich nur der unerschütterliche Terry Truck dazwischen.Beiläufig gleiten Confèrencen und Lieder eineinander, abgelutsche Refrains klingen neu ein bißchen.Die Höllen Lili reißt den Surabaya Jonny an sich, um als Seeräuber Jenny den Kopf rollen zu lassen während der Mond über Pankow aufgeht.Geplagt vom Bronchialkatharr, mit einem Hauch von Kameliendame, sucht die Dee ihren pretty boy, gibt sich aber mit einem Bastard zufrieden, um schließlich in den Sternen verloren zu gehen."Ja, das Meer ist blau, so blau", hat sie anfangs gegirrt.Immer noch und immer wieder. Bar jeder Vernunft, 5., 11.-15.Februar, 20.30 Uhr

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