MONTAGEN UND FOTOSErwin Blumenfeld : Wo sich die Künste kreuzen

Nicola KuhnD

Wer sich in der Modefotografie auskennt, der kennt auch den Namen Erwin Blumenfeld. Der Berliner Fotograf gehörte in den Vierzigern und Fünfzigern zu den Großen seiner Zunft. Weit weniger bekannt ist seine künstlerische Tätigkeit in den Vorkriegsjahren. Aufgewachsen im spätwilhelminischen Berlin, befreundete sich der Künstler jüdischer Herkunft mit dem Maler Paul Citroen und dem Dichter Walter Mehring, verkehrte in den Kreisen um Else Lasker-Schüler, stieß in Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“ auf George Grosz.

Blumenfeld selbst schuf zwischen 1916 und 1933 dadaistische Montagen, in denen die Welt des Kinos, des Theaters, der bildenden Kunst und Literatur aufeinanderstießen. Die Collagen dieses hellsichtigen Beobachters sprühen vor Spott und Anarchie. Gleichwohl blieb er Kaufmann und eröffnete 1923 einen Taschenladen für Damen in Amsterdam. Zehn Jahre später musste er ihn schließen, die Nazis zwangen ihn dazu. Fortan widmete er sich der Fotografie und wurde mit ihr später weltberühmt. Erstmals zeigt die Berlinische Galerie nun 50 Montagen und 30 Fotografien aus dem Nachlass in Paris und Cambridge sowie aus den hauseigenen Beständen.

Zeitgleich mit der Blumenfeld-Ausstellung arrangiert die Berlinische Galerie ihre Sammlung um. Unter dem Titel „As Time Goes By“ werden Werke vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart neu präsentiert. Wie in einer dadaistischen Montage Blumenfelds prallen auch hier Welten zusammen, stößt ein Gemälde des Hofmalers Anton von Werner etwa auf ein Werk der Videokünstlerin Heike Baranowsky. Nicola Kuhn

Berlinische Galerie, Fr 27.2. bis Mo 1.6.,

tägl. außer Di 10-18 Uhr, 6 €, erm. 3 €

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