Zeitung Heute : Motor im Dienste Europas

Was sich beide Länder für die Zukunft vorgenommen haben

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Es soll nicht nur gefeiert werden. Wobei das Feiern – nach der Boulevardkritik an der „ParisSause“ – auf das Nötigste begrenzt wird. Gereicht wird in Versailles statt Champagner deutscher Weißwein, gespart wird an Übersetzern. Wenn dann die Feierwoche vorbei ist, beginnt wieder der Alltag. Paris und Berlin haben sich für die Zusammenarbeit so viel Ehrgeiziges vorgenommen, wie sie den Zeremonien Schlichtheit verordnet haben.

Seit Oktober haben beide Durchbrüche geschafft: Agrarstreit, EU-Beitritt der Türkei, Doppelspitze für Europa. Die nächste Runde im Nachdenken über Europas Verfassung findet statt, wenn Schröder mit Frankreichs Ex-Präsident Giscard redet. Im UN–Sicherheitsrat wollen beide eng kooperieren. Berlin braucht diesen Schulterschluss. Nach der Entfremdung von der Bush-Regierung ist der Verweis auf einen Partner, mit dem man einer Meinung ist, unerlässlich. Falls es eine zweite New Yorker Resolution mit einem Mandat für einen Krieg gegen Saddam geben sollte, verschafft die Abstimmung mit dem wichtigsten europäischen Partner dringend nötige Rückendeckung. Mit einem deutsch-französischen Generalsekretariat wollen Schröder und Chirac ihre Arbeit enger abstimmen. Chirac kündigte an, es gehe um neue Ziele: „Wir sind versöhnt. Wir müssen nun Antriebskraft im Dienste Europas sein!“ Der 22. Januar solle künftig als „deutsch-französischer Tag“ in allen Schulen begangen werden. Sorgen machen sich Chirac und Deutschlandkenner wie André Glucksmann oder Alfred Grosser über das rückläufige gegenseitige Interesse und mangelnde Sprachkenntnisse. Eine neue Initiative sieht nun vor, dass Paris und Berlin gemeinsam ihre Kulturen weltweit zur Schau stellen. Vor allem in Krisengebieten. Geplant ist aber auch, Hip-Hop-Künstler aus Teutonien und der Grande Nation in Südostasien zu präsentieren. Voila! rvr

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