Zeitung Heute : MP3 am Ende?: Neue Zeiten für Musikfans

Neue Systeme sollen endgültig die Ära beenden, in der Musikfans frei über heruntergeladene Songs aus dem Internet verfügen konnten. Nach dem großen Erfolg der Online-Musiktauschbörse Napster könnte das leicht zu kopierende MP3-Format für Musikdateien nach Ansicht von Frank Sarfeld, Sprecher der Bertelsmann E-Commerce Group (BECG), nun bald vom Markt verdrängt werden.

Mit einem kostenpflichtigen Vertriebsmodell der Partner Bertelsmann und Napster sollen die Nutzer ab 1. Juli keine Musik mehr auf CDs brennen können. "Brennen ist ein absolutes Reizwort für die Musikindustrie", sagte Sarfeld in einem Gespräch mit der dpa. "Unser Mitgliedermodell sieht das Brennen von Musikstücken im MP3- Format auf CD nicht mehr vor." Die Songs sollen künftig im Dateiformat NAP übertragen werden. Mit Hilfe eines darin eingebauten Schutzes soll das Kopieren und Verbreiten verhindert werden. Für einen monatlichen Mitgliedspreis zwischen 6 und 21 Mark sollen die Nutzer Songs auf den PC herunterladen - lediglich zum Anhören.

Dass damit ein großer Reiz für die mittlerweile 72 Millionen Napster-User verloren gehen könnte, glaubt Sarfeld nicht. Die Nutzer seien bereit, für ihre Musik zu zahlen. Für Eigentümer von MP3-Playern könnten mit dem Wechsel auf das neue Format NAP magere Zeiten anbrechen.

Eine Richterin in San Francisco hatte der Musiktauschbörse Napster mit der Schließung gedroht, sollte das Internet-Unternehmen den Zugang zu urheberrechtlich geschützten Musiktitel weiter nur halbherzig blockieren. Vor einem endgültigen Urteil will das Gericht aber noch einen technischen Sachverständigen anhören.

Künftig würden mit neuen Technologien auch ganz andere Bedarfsprofile entstehen. "Die CD ist doch ein völlig antiquiertes Medium", sagt Sarfeld. Auf den rund 25 Jahre alten Datenträger passe nur wenig Information. "Ein großer Zukunftsmarkt wird mit der Funkübertragung UMTS entstehen." Musik werde von jedem mobilen Gerät und jedem Handy aus abrufbar sein. Der Besitz an festen Datenträgern wie CD oder Schallplatte werde dann im Prinzip überflüssig.

Vermutlich werde es auch weiterhin MP3-Dateien geben, die etwa der Online-Dienst AOL anbieten will. "Ein Preis von zwei bis drei Dollar pro Titel wird für viele Musikliebhaber allerdings nicht mehr so attraktiv sein, da die Kosten inklusive Telefongebühren im Vergleich zum Kauf einer CD relativ hoch sind", sagt Sarfeld.

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