Zeitung Heute : MSN Teil 1 - Geschlossene Gesellschaft

HANS-PETER STRICKER

Wer MSN nutzen will, braucht Windows 95 und eine Kreditkarte VON HANS-PETER STRICKER

Noch keine zwei Jahre ist es her, da versuchte der amerikanische Software-Riese Microsoft, sich neben den etablierten Online-Diensten CompuServe und AOL als Dritter im Bunde zu plazieren.Das Konzept schien schlüssig: Jeder Nutzer des neuen Betriebssystems Windows 95 sollte einfach per Mausklick Mitglied des Microsoft Network (MSN) werden können.Als exklusive Anbieter von Inhalten hoffte man, viele namhafte Partner zu finden.Doch weder Computer-Benutzer noch Informationsanbieter schienen auf das Microsoft Network gewartet zu haben, sie starteten lieber mit großem Enthusiasmus ins Internet-Zeitalter.Diese Entwicklung hatte man in Richmond/Connecticut verschlafen.Als man sie erkannte, wurde schleunigst von der eigenen Datentechnologie auf die Standards des Internet umgesattelt, um diesem nicht eine Technik entgegenzustellen, die keiner haben wollte.Bis Mitte letzten Jahres war das Microsoft Network dann bereits vollständig ins Internet integriert. Das heißt freilich nicht, daß die Informationsangebote des Microsoft Network heute jedem Internet-Surfer zugänglich wären (wie ließe sich da auch Geld verdienen).Voraussetzung ist eine gebührenpflichtige Mitgliedschaft, und die erhält man immer noch ausschließlich als Windows95-Benutzer. Ein weitere Bedingung ist eine Kreditkarte, denn nur die wird als Zahlungsmittel akzeptiert.Monatlich sind zwölf Mark fällig, nach zwei Freistunden zusätzlich sechs Mark pro Stunde.Der Pauschalpreis von 49 Mark für einen zeitlich unbegrenzten Zugang ist als Alternative bedenkenswert. Was bekommt man für sein Geld? Auge und Ohr erwartet vor allem ein extravagantes Screen-Design, das selbst den buntesten Online-Konkurrenten - zur Zeit AOL - als blasses Mauerblümchen erscheinen läßt.So exklusiv wie das Farb- und Formspektakel der MSN-Seiten sind die Inhalte, die sich dahinter verbergen, nicht.Die Seiten des hochgehaltenen Kooperatonspartners ZDF zum Beispiel (www.zdfmsn.de) sind im Internet frei zugänglich, ebenso die des ursprünglich exklusiv für MSN konzipierten Online-Magazins "Slate" (slate.msn.com) oder die Nachrichten-Seiten des Zugpferdes NBC (www.msnbc.com).Und wer hofft, als MSN-Mitglied kostenlos auf eine Online-Version der Microsoft-"Encarta" zugreifen zu dürfen, sieht sich enttäuscht.Hinter einem Verweis auf die Multimedia-Enzyklopädie verbirgt sich nur eine Kaufeinladung. Es ist vor allem eine Reihe gut strukturierter Internet-Führer, die MSN interessant machen, etwa durch die Bereiche "Universitäten", "Sport" oder "Geschäfte und Finanzen".Daneben gehören Informations-Suchdienste ebenso selbstverständlich zum Programm wie Online-Chats, Foren und Schwarze Bretter (vor allem zum Thema "Computer") sowie elektronische Post.Womit sich andere Dienste gerne schmücken, kommt bei Microsoft zu kurz: kostenloser Software-Download. Vor allem ist MSN ein hervorragender Internet-Provider, den man nicht unbedingt seiner Inhalte wegen wählen muß.Wer einfach nur einen Internet-Zugang mit dem vielgestaltigen World Wide Web, dem Dateientransfer FTP und einer eigenen E-mail-Adresse haben möchte, ist bei MSN nicht schlecht aufgehoben.Mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Benutzer weltweit entschieden sich für ihn.In Deutschland unterhält MSN über die Telekom und EUNet in allen größeren Städten Einwahlknoten, die zu den schnellsten ihrer Art gehören.Dabei ist MSN der einzige Online-Dienst in Deutschland, der einen zeitlich unbegrenzten Internet-Zugang anbietet, zu einem Pauschalpreis, der sich schon ab 20 Online-Minuten pro Tag lohnt.

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