Zeitung Heute : Mubarak – Exil in Deutschland?

USA suchen offenbar Ruhesitz für Ägyptens Machthaber / Anschlag auf die Gaspipeline nach Israel

von und  Martin Gehlen[Kairo]

Die US-Regierung erwägt, Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak nach Deutschland zu bringen. Dem 82-Jährigen könne vorgeschlagen werden, zu einer „verlängerten“ medizinischen Untersuchung nach Deutschland zu reisen, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. In Kairo wurden die Demonstrationen gegen Mubarak friedlich fortgesetzt.

Laut „New York Times“ wird mit ranghohen ägyptischen Vertretern aus Politik und Militär überlegt, Mubarak für längere Zeit nach Deutschland zu bringen, wo er sich bereits mehrfach behandeln ließ. So stünde er den Beratungen über eine Nachfolgeregelung nicht mehr im Wege, hieß es. Als weitere Alternative werde über einen Rückzug Mubaraks in seine Residenz im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nachgedacht.

Zumindest vorläufig aber soll Mubarak nach dem Willen der USA an der Spitze des Landes bleiben. „Ich glaube, dass die Führerschaft von Mubarak weiter von Bedeutung ist“, sagte der von US-Präsident Barack Obama als Sondergesandter nach Ägypten geschickte Frank Wisner in einer Videoschaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz. Mubarak sei ein „alter Freund“ der USA, mit dem „respektvoll“ umgegangen werden müsse. Der Staatschef stehe vor der „großen Aufgabe“, dem Übergang Gestalt zu geben.

Mubarak verlor derweil seine wichtigsten Getreuen in der Regierungspartei NDP, deren Führung am Samstag zurücktrat. Zu der zurückgetretenen Führungsgarde der Nationaldemokratischen Partei (NDP) zählen sein Sohn Gamal Mubarak und Generalsekretär Safwat al Scherif. Die Partei präsentierte sofort eine neue Riege von Führungspersönlichkeiten, die größtenteils dem Reformflügel der NDP angehören. Dies deutet darauf hin, dass erstere nicht freiwillig das Handtuch warfen. Der seit fast drei Jahrzehnten regierende Mubarak, der nicht abtreten will, gab am Samstag erneut demonstrativ den Staatschef.

Nach einem Anschlag auf eine Gaspipeline im Norden der Sinai-Halbinsel wurden die Lieferungen nach Israel und Jordanien unterbrochen. Die staatliche jordanische Elektrizitätsgesellschaft teilte mit, die Reparatur werde mindestens eine Woche dauern. Das Staatsfernsehen meldete, Saboteure hätten sich die instabile Sicherheitslage zunutze gemacht.mit AFP/dpa

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