Zeitung Heute : Multimedia-Boom ist keine Legende

Nachdem "Multimedia" das Wort des Jahres 1995 war, ist die Euphorie inzwischen einer nüchterneren Einschätzung gewichen.Kurt Sagatz sprach mit Paulus Neef, dem Präsidenten des Deutschen Multimedia Verbandes und Geschäftsführer der Berliner Agentur Pixelpark, über Wunsch und Wirklichkeit einer Branche. TAGESSPIEGEL: Herr Neef, ist Multimedia bereits alltagstauglich? NEEF: Es kommt darauf an, auf welchen Anwendungsbereich sie das beziehen.Im Business-Bereich auf jeden Fall.Dort verdienen die ersten Unternehmen bereits mit Multimedia und Electronic Commerce Geld, indem sie Waren und Dienstleistungen über das Internet verkaufen.Der große Schub wird auch in diesem Bereich sicherlich noch kommen.Die CeBIT hat es ja schon gezeigt: Alle möglichen Kommunikationsgeräte haben eine Schnittstelle zum Internet. TAGESSPIEGEL: Welche Anwendungen sind konkret vorstellbar? NEEF: Alle großen Autohersteller haben bereits die ersten Systeme, beispielsweise zur Staumeldung, entwickelt.Sie müssen also nicht wie beim Radio eine halbe Stunde warten, bis sie informiert werden.Diese Verbindung mit dem Internet ist natürlich sehr nützlich.Oder Navigationssysteme: Sie geben einfach einen Zielort in einer anderen Stadt ein und werden dann akustisch oder per Screen geleitet. TAGESSPIEGEL: Das Medium für diese Anwendungen ist das Internet.Der BAT-Freizeitforscher Horst Opaschowski hat gerade vor wenigen Tagen gesagt, der Internet-Boom sei eine Legende.Was ist denn nun richtig? NEEF: Da irrt der Professor gehörig.Ich habe ihn vor acht Jahren für meine Diplomarbeit über die Nutzungsgewohnheiten bei den neuen Medien interviewt.Schon damals hat er den neuen Medien keinen besonders großen Stellenwert gegeben.Daß seine Aussagen nicht stimmen, kann man allein an den Fakten sehen.AOL hat allein weltweit 12 Millionen User. TAGESSPIEGEL: Das Motto des DMMK lautet in diesem Jahr "Time for a Change".Wie weit ist dieser Wandel in der Geschäftswelt denn schon fortgeschritten? NEEF: Das fängt bei Unternehmen an, die elektronische Geschäftsfelder aufgebaut haben, die also Electonic Commerce betreiben oder im Hause ein Intranet betreiben.Bei der Umsetzung dieser Strategie geht es vor allem darum, daß die Mitarbeiter die neuen Möglichkeiten auch nutzen.Es geht nicht allein um die technische Kompatibilität, sondern darum, daß die Mitarbeiter in diesen Firmen und Organisationen darauf vorbereitet werden.

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