Zeitung Heute : Multimedia feiert Hochzeit

MARKUS VON RIMSCHA,KURT SAGATZ

Windows 98 baut Barrieren ab / Marktstart 2.Quartal 1998 VON MARKUS VON RIMSCHAUND KURT SAGATZ Im zweiten Quartal 1998 soll es soweit sein: Dann soll Microsofts Windows 98 die Nachfolge von Windows 95 antreten.Zuerst steht die Beseitigung einiger kleiner Mängel des aktuellen Produkts an.Notwendig ist daneben die Integration von Multimedia-Anwendungen, verbunden mit einer besseren Unterstützung der dafür nötigen Hardware.Die Stichworte hierzu sind Unterstützung der Digital Versatile Disc (DVD), des Universal Serial Bus (USB) und der IEEE-Schnittstelle für Audio und Video.Mit Windows 98 dürfte somit die Verschmelzung der verschiedenen Medien endgültig vonstatten gehen: Multimedia feiert Hochzeit. Während sich am grundsätzlichen Konzept des 32-Bit-Betriebssystems wenig ändern wird, liegt ein Schwerpunkt der Innovationen im Bereich Internet.Ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Benutzeroberfläche und dem Netz ist das Ziel.Basierend auf dem Internet-Explorer 4.0, der Anfang Oktober als Final Release vorliegen wird, verwischen die Grenzen zwischen Festplatte und Datennetz fast vollständig.Neue Elemente des Explorers 4.0 sind unter anderem der Mail-Client Outlook Express, der Active Desktop, die Channel-Technologie für Internet-Dienste sowie ein überarbeitetes DFÜ-Netzwerk. Eine interessante Eigenschaft der neuen Plattform wird beispielsweise sein, daß Updates auf Wunsch automatisch über das Internet erledigt werden können.Das aktuelle System hat bewiesen, daß ein neues Produkt kaum völlig fehlerfrei arbeiten kann.Es ist also ein Vorteil, wenn sich der Benutzer nicht selbst um die Aktualisierung kümmern muß.Fraglich bleibt aber, ob jeder Anwender damit einverstanden sein wird, die Kontrolle über sein Betriebssystem weitgehend aus der Hand zu geben. Auch die Online-Hilfen des Systems sollen kräftig aufgewertet werden.Der auf der Plus-CD-ROM zu Windows 95 enthaltene Systemdienst steht unter Windows 98 standardmäßig zur Verfügung.Ein zusätzlicher HelpDesk soll zudem weiterem Kummer vorbeugen.Bei Problemen wird zuerst die Online-Hilfe, danach das Internet nach Lösungen durchsucht.Vielfach dürfte sich so der Anruf bei der Hotline erübrigen.In die gleiche Richtung gehen der Tuning-Assistent, die Systemfehlerbehebung und ein Werkzeug zur Erstellung von Systeminformationen.Das bereits von Windows 3.x bekannte Programm "Dr.Watson" wird wiederbelebt.Das Werkzeug überwacht die Aktivitäten des Rechners und protokolliert Fehlermeldungen.Hierdurch soll die Suche nach den Verursachern von Systemabstürzen und anderen Software-Fehlern verbessert werden. Ferner steht zu hoffen, daß schwierig nachvollziehbare Marketingentscheidungen von Microsoft diesmal ausbleiben.Die neu herausgegebene "Release 2" des aktuellen Windows, die erstmals die 2-Gigabyte-Grenze bei der Festplattenunterstützung überschritt, war weder als Vollversion noch als Update zu haben.Nur der Käufer eines neuen Computers konnte sich legal an der Neuerung und der OEM-Version von Windows 95 erfreuen. Unabhängig von allen technischen Details wird mittlerweile der häufige Systemwechsel selbst zum Ärgernis.In den letzten Jahren kämpfte sich der treue Anwender durch die Versionen 3.0, 3.1 und 3.11 basierend auf DOS sowie Windows 95, später ergänzt um Release 2.Mit dem Betriebssystem allein läßt sich aber noch nicht viel anfangen, Programme sind nötig.Die Textverarbeitung Word existiert schon für Windows 95 in den Varianten 7.0 und Word 97.Wer mit mehreren Anwendungen arbeitet, dem dürfte es in letzter Zeit wohl nicht gelungen sein, ein Jahr mit einem unveränderten System zu arbeiten, zumindest wenn alle Neuerungen mitgemacht wurden.Kaum war die letzte Änderung im Betriebssystem oder in einem Programm verkraftet, schon wurde die nächste angekündigt.Diese hat zwar regelmäßig mit dem einen oder anderen kleinen Fehler des Vorgängers aufgeräumt, meist aber neue Probleme mit sich gebracht.Es ist deswegen nicht verwunderlich, daß es mittlerweile viele Unternehmen und versierte Privatanwender ablehnen, jeder mehr oder weniger nötigen Umstellung nachzujagen und statt dessen beispielsweise das komplette Office 97-Paket ignoriert haben.Gerade bei etwas komplexer strukturierten Netzwerken ist es kaum noch möglich, ein stabil lauffähiges System zu beherrschen, bevor die ersten Meldungen über den Nachfolger eintrudeln. Größtes Ärgernis an Windows 98 ist aus derzeitiger Sicht aber, daß wieder einmal die Geduld des Anwenders auf die Probe gestellt wird.Bereits bei Windows 95 gehörte es zur Strategie von Microsoft, mit großartigen Vorankündigungen die Kunden bei der Stange zu halten beziehungsweise sie vom Kauf des Konkurrenzproduktes OS/2 von IBM abzuhalten.Bleibt somit nur zu hoffen, daß Windows 98 tatsächlich im zweiten Quartal 1998 auf den Markt kommt.

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