Zeitung Heute : Multimedia wird erwachsen

KURT SAGATZ

Branche diskutiert über Qualitätsansprüche / Stuttgarter Kongreß VON KURT SAGATZ

-Höchste Qualitätsansprüche und Zuverlässigkeit gegenüber Kunden und Partnern gehören auch in der noch jungen Multimedia-Branche zu den Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Agieren im Markt."Consumer lassen sich nicht mehr mit unmotivierten Clickshows abspeisen, sondern erwarten sinnvolle und komfortable Szenarien, die ihnen konkreten und erkennbaren Nutzen bieten", erklärt Paulus Neef, Präsident des Deutschen Multimedia Verbandes dmmv und Chef der Berliner Multimedia-Agentur Pixelpark, anläßlich des 5.Deutschen Multimedia Kongresses (DMMK), den der wissenschaftliche Springer-Verlag vom 4.bis zum 6.Mai in Stuttgart veranstaltet.Zu dem Kongreß, auf dem rund 150 Referenten zu den Themenblöcken New World of Media, Multimedia Commerce, Entwicklerfragen sowie Aus- und Weiterbildung informieren, werden rund 1000 Teilnehmer der Multimedia-Szene erwartet. Die Konsequenz aus den gestiegenen Erwartungen der Kunden heißt aus Sicht von Neef radikale Nutzerorientierung, also Professionalisierung.Kreative Garagenfirmen, so sein Plädoyer, entwickeln sich entweder zu leistungsfähigen Multimedia-Agenturen - oder sie scheitern am Wettbewerb.Die Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden wird aber auch daraus ersichtlich, daß sich CD-ROM-Produktionen nicht nach dem technologisch letzten Schrei richten, also quasi nach den Sternen greifen, sondern akzeptieren, daß in vielen Privathaushalten nach wie vor der 486er PC dominiert.Nicht die effektive Ausnutzung der MMX-Technologie steht somit im Vordergrund, sondern die Entwicklung von Anwendungen, die auch mit weniger gutem Equipment zu guten Ergebnissen führen. Die Qualität der Produkte hängt bekanntlich besonders in den arbeitsintensiven Dienstleistungsbranchen von der Qualifikation der Mitarbeiter ab.Von den Multimedia-Fachkräfte wird dabei erwartet, daß sie nicht allein über die Fach- und Methodenkompetenz verfügen, sondern gleichwohl über die soziale und Personalkompetenz, um im Geflecht der flexibel arbeitenden Produktionsteams zurechtzukommen, wie Peter Schissler vom Berliner Multimedia-Lehrinsinstitut L4 seine Forderungen an eine zeitgemäße Ausbildung formuliert.Immerhin hat sich die Diskussion in letzter Zeit erheblich versachlicht: Inzwischen wird pragmatischer an den Anforderungsprofilen für die neuen Multimedia-Berufe Projektmanager, Konzeptioner, Screen-Designer und Programmierer gearbeitet. Ausbildung für die Erfordernisse der Zukunft beginnt indes bereits früher, in den Schulen und Universitäten.Reizthemen sind hier die technologische Ausstattung der Einrichtungen, aber auch die Vermittlung von Medienkompetenz in der Lehrerausbildung.Nicht allein der Umgang mit neuen Medien müsse eingeübt werden, sondern auch Konzepte für eine sinnvolle Integration interaktiver Medien in die bestehende Lehr-Lern-Arrangements müssen entwickelt und erprobt werden, fordert beispielsweise DMMK-Referent Ulrich Glowalla, Professor an der Universität Gießen.

Nähere Informationen zum DMMK 97: Im Internet unter der Adresse

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