Zeitung Heute : Multimedia zum Anfassen

KURT SAGATZ

Im Interschul-Messeforum dreht sich alles um den digitalen Schüler VON KURT SAGATZ

Der Schüler der Zukunft ist digital.Um Zugang zum Schulgebäude zu erhalten, benötigt er einen digitalen Schülerausweis, wie ihn die Pixyfoto-Ausweissysteme auf der Bildungsmesse Interschul bis zum 11.April in den Messehallen unterm Funkturm vorstellen.Erste Schulen nutzen bereits die Möglichkeiten der digitalen Identifikation: In Dortmund öffnet sie Türen, in Darmstadt berechtigt sie zum Toilettenbesuch, aber auch in der Bücherei oder am Kopierer kann die Karte - wahlweise mit Barcode, Lesestreifen oder Chip - genutzt werden.Die Karte gibt es übrigens umsonst, Geld verlangt das Unternehmen für die Digitalfotos. Mehr Technik in die Schulen bringt auch das nach eigenen Angaben größte Elektronik-Spezialversandhaus Conrad Electronic, das auf der Interschul in der Multimedia-Halle 10.1 angesiedelt ist.Jede zehnte Umsatzmark - insgesamt 85 Millionen - stammt aus dem Geschäft mit Schulen, erläutert Schulbetreuer Gerald Hirmer.Die Versandhändler aus Hirschau profitierten davon, daß die etablierten Schulausstatter Preise verlangten, die von den Schulen angesichts beschnittener Budgets nicht zu finanzieren waren und die Bauteile, Bausätze und Meßtechnik nun von dort beziehen.
Ebenfalls in der Nähe des Multimedia-Forums ist Siemens auf der Interschul vertreten, und zwar mit dem Schulwettbewerb Join Multimedia, an dem in der laufenden Runde rund 300 Schulen teilnehmen, darunter auch sieben aus Berlin.Es gehe nicht darum, Computer zu verkaufen, sondern die Schüler zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Multimedia zu bewegen, sagt Projektleiterin Maria Schumm-Tschauder.Die nötige Sofware sei deshalb extra für den Wettbewerb programmiert worden und wird an die Wettbewerbsschulen unentgeltlich abgegeben.
Nicht kostenlos ist dagegen das Angebot vom co.Tec, Deutschlands größtem Anbieter von Lernsoftware mit einem Marktanteil von 85 Prozent.Das Unternehmen versteht sich selbst als Mittler zwischen der herstellenden Industrie und den Schulen, führt Stefan Schätti von co.Tec aus, und verweist darauf, daß die Produkte entsprechend den Vorgaben der Bund-Länder-Kommission für Lizenzbedingungen im Bildungsbereich vertrieben werden.Doch nicht nur an Schulen gehen die Programme, auch Eltern sind inzwischen zu einer interessanten Zielgruppe geworden, die angesichts der Programmschwemme einen immensen Beratungsbedarf habe.
Beraten und informieren ist neben dem Verkaufen auch für die Betreiber des Internet-Dienstes "Bildung Online" seit seinem Start auf der didacta Mitte Februar ein hervorgehobenes Ziel.Gründer des Bildungsdaches im Netz sind die Schulbuchverlage Cornelsen, Klett, Schroedel und Westermann, weitere Drittanbieter sollen aufgenommen werden, so Projektleiter Martin Hüppe.Bis Juni kann das Angebot (www.b-o.de) noch kostenlos durchstöbert werden.Wer in den Lehrerbereich will, muß sich allerdings per Registration legitimieren, was bislang 3500 Lehrer getan haben.Immerhin 10 Prozent der Online-Nutzer unter den 700 000 Lehrer nutzen damit bereits heute eine Informationsform, die die Schule von morgen entscheidend prägend dürfte.

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