Zeitung Heute : Multimediale Lexika: "Histotainment" hat neue Medien erreicht

Gerald Glaubitz

Multimediale Geschichtsvermittlung liegt im Trend. Dabei geht es publikumswirksam um Geheimnisse der Geschichte, die enträtselt werden sollen, oder schlicht und einfach um nüchterne, aber hochgelehrte Texdarstellungen zur Historie. Auf jeden Fall wird deutlich: Die Welle von Geschichtsunterhaltung in Verbindung mit Bildung ("Histotainment") hat seit geraumer Zeit auch den Markt neuer Medien erreicht.

Ganz in diesem Trend liegt nun die von "Cornelsen Software" produzierte Scheibe "Das Geheimnis des Zenturio", deren Titel die Assoziation eines adventure games weckt. Aber nur der Titel. Denn die CD reiht sich in ihrer gelungenen Verbindung aus spielerischer Interaktivität, Einfallsreichtum und profunder, dabei nie langweiliger Wissensvermittlung ein in die Reihe solcher hochgelobter Produkte wie "Leben in der mittelalterlichen Stadt". Nun also die Antike, bei der man auf den Spuren von Römern und der Germanen wandelt: Die Spannweite der Hauptthemengruppen reicht von der politischen Geschichte, über Militärwesen, die römische Stadt, bis zu Alltags- und Familienleben der Römer und Ursprung sowie Lebensart der Germanen. Unterhaltung bietet die Schatzsuche, die in einer römischen Villa stattfindet und durch die Rekonstruktion ihrer Innenausstattung zum Erfolg führt.

Weniger ausgeprägt als beim Cornelsen-Produkt ist bei der hervorragenden "Retrospect 2001" das spielerische Element, ohne dabei langweilig zu sein. Ganz im Gegenteil: Für Qualität und seriöse Information bürgen hier "Spiegel online" und die Münchner "Digital Publishing", Beim "Lexikon des 21. Jahrhunderts" kann man auf der Startseite etwa mit den "Themen" beginnen, beispielsweise das "Rote Imperium" anklicken: Der Nutzer wird in einer Mischung aus dokumentarischem Filmmaterial und sachlichem Kommentar in die Geschichte der Russischen Revolution eingeführt. Der User kann dann auf der Leiste der weltgeschichtlichen Jahreschronik entlangwandeln, bis in die unmittelbare zurückliegende Vergangenheit: Als letzter Eintrag steht hier: "Milosevic am Ende". Beim Anklicken des Buttons wird man in die Geschichte des Jugoslawienkriegs eingeführt und sieht Bilder des Natobombenangriffs gegen Belgrad. Der Nutzer hat jedoch nie den Eindruck, dass die Bilder effekthascherich eingesetzt würden. Umgekehrt: Sie stehen im Kontext zahlreicher textlicher Hintergrundinformationen, die ein abgerundetes Geschichtsbild vermitteln. Das Werk, das auch auf Kunstgeschichte sowie Wissenschaft und Technik eingeht, besteht aus acht CDs.

Im Unterschied zu den beiden anderen Silberscheiben präsentiert die Berliner "DirectMedia" wie gewohnt CD-ROMS für "Menschen, die Bücher lesen". Und dies ist seit mehreren Jahren erfolgreiches Programm: Dabei geht es um die direkte Umsetzung vor allem von lexikalischen Nachschlagewerken aus den Bereichen Literatur, Geschichte, Kunstgeschichte etc. Mit dem nun erschienenen 35 Band der "Digitalen Bibliothek" wendet man sich der Kirchengeschichte zu.

Das von Hubert Jedin herausgegebene, bewährte Standardwerk "Handbuch" kann deshalb auch nicht am Maßstab gelungener multimedialer Features gemessen werden. Hier kommt es auf den Inhalt an: Und der bietet für den an der Kirche und ihrer Geschichte Interessierten wertvolle Informationen, durchaus zu kritischen Themen wie "Kreuzzüge" und "Inquisition".

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben